Terrazzo, Anhydrit und andere fugenlose Bodenbeläge
Fugenlose Bodenbeläge sind etwas wertiges, fantastisches, wunderbares! Von gestampfter Erde über handgeschliffenen Terrazzo aus italienischen Palästen, bis hin zum Mikroporen-Beton ist die Bandbreite heute enorm!
Neben den verlegten fugenlosen Bodenbelägen wie Linoleum geht es hier aber um die anderen, die robusten, immerwährenden gegossenen Bodenbeläge. Und Eines haben alle diese Böden gemeinsam: Eine speziell hergestellte Mischung wird auf einen vorbereiteten Boden eingegossen, ausgehärtet und geschliffen. Wie viel geschliffen wird, ist abhängig von der gewünschten Oberfläche. Je mehr geschliffen wird, desto grössere Steine werden sichtbar. Der Begriff Terrazzo ist zwar der Überbegriff, aber ich möchte gerne folgende fugenlose Bodebeläge unterscheiden:
- Terrazzo
Grosse, gut angeschliffene, farbige Steine - Anhydrit
Unterlagsboden auf Gipsbasis, mit kleinen Steinchen - Zementboden
Unterlagsboden auf Zementbasis, relativ homogen mit kleinen Steinchen - Steinholz / Holzzement
Terrazzo
Terrazzo ist ein absoluter Klassiker und steht als Überbegriff für gegossene, fugenlose Bodenbeläge, wo die Steinquerschnitte sichtbar sind. Die Mischung kann eingefärbt sein und eine unendliche Varianz an Steinchen und anderen Zusatzstoffen enthalten. So gleicht kein Terrazzo dem Anderen. Damit die Steinquerschnitte zum Vorschein kommen, muss entsprechend in einigen Schritten geschliffen werden. Dies ist nur in der grossen Fläche mit einer Maschine machbar – in den Ecken und schwer zugänglichen Stellen muss auch schon mal Hand angelegt werden. Und wir wissen: Je mehr Aufwand, desto teurer!
Wiederholte Schleifvorgänge – teilweise von Hand – machen den Terrazzo teuer









Anhydrit
Vielen Bauherrschaften ist nicht klar, dass bei fast allen Neubauten de facto schon überall ein fugenloser Boden eingegossen wird: Der Unterlagsboden. Dieser beinhaltet – wenn es eine gibt – die Bodenheizung und bildet einen Untergrund für den späteren Bodenbelag (Parkett, Plättli etc.). Aber der Unterlagsboden muss nicht abgedeckt werden, sondern könnte als sichtbare Oberfäche geschliffen werden. Dabei werden zwei Unterlagsböden unterschieden: Anhydrit und Zement.
Vielen Bauherrschaften ist nicht klar, dass in ihrem Neubau sowieso ein fugenloser Boden eingegossen wird.
Beide Unterlagsböden haben ähnliche bauphysikalische Eigenschaften. Zement ist geeignet für Feuchträume, dafür muss er stärker eingebracht werden (8cm gegenüber 6cm Anhydrit) und kann in den Ecken ’schüsseln‘, weil er sich zusammenzieht. Anhydrit ist dünner, ebener und Variantenreicher. Von vielen Menschen wird Anhydrit als ‚wärmer‘ empfunden, gegenüber einem Zementboden.
Wenn es um sichtbare Unterlagsböden geht, wird oft ein Anhydrit verwendet. Dieser kann dünner ausgeführt werden (6cm inkl. Fussbodenheizung) und bietet mehr Spielraum, was Farben angeht. Jedoch ist Anhydrit nicht für Feuchträume geeignet, da er anstatt auf Zement- auf wasseremfindlicher Gipsbasis besteht.


Zement-Estrich
Zementöser Unterlagsboden ist eine trägere und dickflüssige Masse als der gipsbasierte und flüssigere Anhydrit. Dafür trocknet ein zementöser Unterlagsboden schneller. Während dem trocknen kann er jedoch schrumpfen, was dazu führen kann, dass er sich in den Ecken gegen oben kräuselt, also ’schüsselt‘. Für die auf den Unterlagsboden folgenden Bodenleger ist das extrem mühsam – entsprechend müssen diese Stellen extra abgeschliffen werden.
Belässt du den Boden aber sichtbar (dann gilt er wahrscheinlich technisch gesehen nicht mehr als Unterlagsboden?) ist das mit dem schüsseln nicht mehr so relevant. Wie Anhydrit ist auch Zement ein eher heikler Bodenbelag. Das Bindemittel (Gips bzw. Zement) nimmt Flüssigkeiten auf und kann so Flecken entwickeln. Beide Böden werden speziell geölt oder (besser) versiegelt, um dies zu verhindern.


Steinholz / Holzzement
Auch Holzzement genannt, besteht dieser gegossene Bodenbelag aus Sorelzement und Zusätzen. Die Zuschläge können dabei (statt wie beim Terazzo grössere Steinchen) aus Holzmehl, Holzspänen oder sogar Korkschrot oder Papier sein. Wie Anhydrit ist auch dieser Belag fusswarm. Sein Eindruck ist ein bisschen speckig, mit einer rauhen, teilweise vom Giessen noch wolkigen Oberfläche.
Dieser Belag kann im Wohnbereich verwendet werden, wird ansonsten aber oft in Maschinenhallen, Werkstätten und in meinem Beispiel einer grossen Bibliothek/Schulareal verwendet.



Spezial: Stampflehm-Boden
Die Urform des fugenlosen Bodens ist gestampfte Erde. Dieser Boden ist auf den ersten Blick quasi kostenlos weil ohnehin Aushubmaterial anfällt, und kann wie herkömmliche fugenlose Böden geschliffen werden um die Steinquerschnitte zum Vorschein zu bringen. Früher wurde dieser Fusswarme, elastische Stampflehmboden zum Beispiel in Küchen- oder Kellerräumen verwendet – kann wenn gewünscht aber natürlich auch im Wohnraum einen Platz finden.
Mir gefällt der Gedanke, aus einfachem, günstigem und lokal vorhandenem Material eine veredelte und sehr dauerhafte Oberfläche herzustellen.
Heutzutage ist das Material noch genauso günstig, leider benötigst du für eine saubere Ausführung das Knowhow von Spezialisten. Während konventioneller Zement- und Anhydritboden von den meisten Firmen problemlos ausgeführt werden kann macht es Sinn, hier eine Fachfrau bzw. Fachmann hinzuziehen um spätere Rissbildungen und Setzungen zu vermeiden. Die hier fotografierten Muster wurden von der in Brunnen ansässigen Firma Lehmag #notsponsored ausgeführt.






Wenn er genügend lehmhaltig ist, kann der Aushub verwendet werden
Selber hatte ich leider noch nie bewusst das Vergnügen, auf einem Stampflehmboden zu gehen (und ihn zu fotografieren). Jedoch kann man in der ETH-Baubibliothek in Zürich einige wunderbare Muster anschauen, von der Lehmag eigens für die Bibliothek produziert.

Welche Unternehmer machen gegossene, fugenlose Böden?
In der Schweiz gibt es eine Vielzahl von spezialisierten Unternehmen. Wenn du einen sichtbaren gegossenen Boden möchtest, lohnt es sich einen Termin mit einem dieser Firmen zu vereinbaren. Eine der grössten Hersteller und Unternehmer für konventionelle fugenlose Bäden ist Walo #notsponsored. Auf deren Webseite kriegst du einen Überblick, welche gängigen fugenlosen Böden machbar sind.
Für Spezialböden wie Stampflehm kannst du dich beispielsweise an
Was gibt es bei fugenlosen Böden zu beachten?
Fugenlose Böden sind ironischerweise nicht wirklich fugenlos. In kleinen Räumen ja, aber nicht wenn dein Wohnraum z.B. 10 Meter lang ist. Wenn du mit einem Unternehmer sprichst, sind folgende Fragen relevant und müssen angesprochen werden:
- Dilatationsfugen: Wo werden sie gesetzt? Gibt es von deiner Seite eine Präferenz, und wäre diese machbar? Wie werden sie nachbehandelt?
- Übergang zu anderen Belägen: Wie werden die Übergänge ausgeführt? Zum Beispiel mit einer Schlüterschiene #notsponsored? In welcher Oberfäche – Edelstahl, gebürstet, Messing?
- Mischungszusammensetzung: Wie hell, wie dunkel sind die Steinchen? Ist die Mischung eingefärbt? Wie weit wird geschliffen, bzw. welcher Steinchenquerschnitt wird sichtbar?
- Wolkenbildung: Bis wie grosse Wolkenbildungen (Cluster von Steinchen oder fehlende Steinchen – leider dann sichtbar im Boden) sind akzeptabel? Ab wann muss ein Boden neu gemacht werden?
- Oberfläche: Wie wird die Oberfläche behandelt? Geölt, versiegelt? Gibt es Fotos mit ausgeführten Beispielen?
- Muster! Wann und zu welchem Preis kann ein Muster organisiert werden? Idealerweise wird darauf gleich auch die Oberflächenversiegelung verglichen getestet
…weitere Beispiele folgen