Plättli, Platten, Fliesen: ein Universum
Plättli, Platten, Fliesen – der pflegeleichte und günstige Boden für die allermeisten Badezimmer und/oder Küchen hat viele Namen und noch mehr Gesichter. Gerade bei Platten ist die Vielfalt enorm! Platten und Fliesen sind übrigens das Gleiche – Fliese ist einfach der Deutsche Name dafür; bzw. Plättli oder Platten der Schweizer Name für Fliesen.
Plättli gibt es in sehr günstig bis sehr teuer, in natürlichem Klinkerbelag und Tonplatten bis hin zu bedrucktem Keramik, Feinsteinzeug und Natursteinplatten. Es gibt sie in unterschiedlichsten Oberflächen, von matt und glänzig bis hin zu geriffelt und gemustert – die Musterkataloge könnten ganze Bibliotheken füllen.


Welche Arten von Plättli gibt es?
Oh, es ist eine wahre Freude! Plättli-Boden gibt es wie schon erwähnt in einer so riesigen Vielfalt, das es schwer ist den Überblick zu behalten! Aber grundsätzlich gibt es die folgenden Kategorien für den herkömmlichen Gebrauch, welche du auch in den Ausstellungen findest.
Keramik ist gebrannter Ton. Dazu gehören Tonplatten (Terracottta, Klinker), Keramikplatten und Feinsteinzeug
Dabei gehören die ersten drei Kategorien alle zu ‚Keramik‘ – alle drei bestehen nämlich aus gebranntem Ton. Der Unterschied liegt nur darin, wie heiss sie gebrannt werden, wie dicht sie sind und entsprechend dann auch wie sie aussehen.
- Tonplatten
Dicke, naturbelassene Keramikplatten in Erdtönen - Keramikplatten
Das Standard-Plättli gibt es in unzähligen Variationen - Feinsteinzeug
Eine dichtere und hochwertigere Keramikplatte - Natursteinplatten
Marmor, Stein undEisenGranit bricht nicht - [Zementplatten]
Die verbotene, von Architekten geliebte Frucht
Tonplatten (Terracotta, Klinker)
Die ursprünglichste Form der Keramikplatten. Es handelt sich um nicht speziell verdichteter Ton in seiner natürlichen Form. Traditionell sind diese unbehandelt und spiegeln so in ihren Farben auch den natürlichen Farbton von gebrannter Erde ab – sind also nicht alle gleichfarbig. Architekten lieben dieses natürliche Farbenspiel – ich auch :).
Weil Tonplatten wie erwähnt nicht so dicht sind, sind sie entsprechend ungeeignet für Badezimmer, in Duschen etc. Wo sie aber wunderbar funktionieren ist z.B. in der Küche – oder ausnahmsweise im Wohnzimmer wenn du ein südländisches Flair möchtest. (Ich hasse Platten im Wohnraum, aber hier könnte ich eine Ausnahme machen. Vorausgesetzt sie sind schön und spannend verlegt).


Keramikplatten
Der Standard unter den Plättli ist logischerweise am weitesten verbreitet – als Wand und Bodenplatte. Bei den Wandplatten gibt es sie von den klitzekleinsten Mosaikplatten-Formaten von 1cm x 1cm bis zu den ultra-grossformatigen Platten, die bis 3m hoch sein können! Aber Eines haben alle Formate gemeinsam: Sie sind sehr dünn, nur etwa 8-13mm. Bei den Bodenplatten gibt es eine ähnlich grosse Vielfalt – hier gibt es jedoch Obergrenzen bei den Grössen – und Oberflächen.
Glasiert oder unglasiert?
Die erste und grösste Frage bei Keramikplatten ist: Glasiert oder unglasiert? Die Frage ist eigentlich synonym mit ‚glänzend oder nicht glänzend‘? Früher war ich der Meinung, dass glasierte Fliesen altmodisch und kitschig sind. Mittlerweile sehe ich das anders. Mein Ex-Chef hat es damals gut erklärt: Etwas was glänzt, zieht automatisch den Blick auf sich. Sei es eine Hochglanz-Küche, eine glänzend gestrichene Türe oder glänzende Plättli. Glasiert bzw. glänzend ist also die richtige Wahl, wenn etwas im Fokus stehen soll. Möchtest du es wiederum nicht betonen, soll es auch nicht glänzen.
Wenn etwas im Fokus stehen soll, ist glänzend die richtige Oberfläche. Nicht aber, wenn es im Hintergrund bleiben soll


Unperfekt ist manchmal genau perfekt
Hinzu kommt, dass glasierte Plättli naturgemäss nicht perfekt identische Oberflächen haben. Unter Umständen ist das aber ein gewollter Effekt. Durch das Glasieren entsteht eine ganz leicht gewölbte Oberfläche, welche an den Rändern eine andere Farbe. hat. Dieses Farbspiel kann mit keiner Drucktechnik reproduziert werden und erzielt einen sanften, natürlichen Eindruck.
Glasierte Plättli sind von Natur aus ungleichmässig. Dadurch entsteht ein sanfter, natürlicher Eindruck





Hinzu kommt, dass gerade die dunkeln Farbtöne nur mit einer Glasur eine wirklich satte Farbe erreichen. Dieses saftige Aubergine-Braun zum Beispiel wirkt in seiner matten Form irgendwie… fade.
Glasierte Platten haben sattere Farben
Wenn du ein möglichst gleichmässiges, mattes Bild möchtest, würde ich die Keramikplatten überspringen und gleich zu den Feinsteinzeugplatten gehen. Da diese durchgefärbt sind, ist der Farbton immer der Gleiche. Es entsteht ein sehr angenehmes, uniformes Bild.
Feinsteinzeugplatten
Der Go-To-Plattenbelag von vielen Architekturbüros. Wieso? Es ist in der Architekturwelt verpönt, Material einzusetzen wo nicht mehr sein ursprünglicher Zustand sichtbar ist. Oder anders gesagt: Kein bedrucktes Plättli, nur solche, wo das ‚Material‘ auch sicht- und erlebbar ist. Feinsteinzeugplatten sind da wunderbar, weil sie genügend langweilig stilvoll sind, aber immer noch eine breite Auswahl von Farben und Mischungen verfügbar ist.
Feinsteinzeug ist durchgefärbt – wenn eine Ecke ausbricht, kommt die gleiche Farbe zum Vorschein
Ausserdem ist Feinsteinzeug Keramikplatten gegenüber in einem Punkt klar überlegen: Haust du bei einer Keramikplatte eine Ecke ab, kommt darunter das Basismaterial (oft weiss, grau) zum Vorschein. Nicht so bei Feinsteinzeugplatten, denn diese sind durchgefärbt. Ausserdem ist auch Feinsteinzeug in vielen Formaten erhältlich – aber längst nicht so viele wie Keramikplatten. Das kleinste Format startet z.B. bei den 9x9mm kleinen ‚Dots‚ vom Hersteller Winckelmans aus Frankreich #notsponsored und das hört meines Wissens bei 60x60cm auf.


Feinsteinzeug ist aber (zumindest in der Architekturwelt) bekannt für seine Uni-Farben. Diese sind deshalb so beliebt, weil sie die natürlichen Pigmentfarben abbilden, und nicht nur aufgedruckt sind. So wirken sie irgendwie ’natürlicher‘ und lassen sich auch super mit anderen Naturfarben (z.B. Naturstein, Holz etc.) mischen.


Natursteinplatten
Diese Platten sind etwas für Liebhaber. Es ist dir wichtig, dass ein lokaler Stein verlegt wird? Oder dass du barfuss auf Naturmaterial gehst? Oder du liebst die rauhe Haptik der Oberfläche? All dies sind valide Gründe für Naturstein. Die Oberfläche wird definiert aus dem Material selbst, und kann (wie auch bei Naturstein-Küchenarbeitsplatten) wild sein.
Als Naturprodukt können diese Steinplatten eine Patina entwickeln, und werden sich mit den Jahren womöglich leicht verändern. Wenn das für dich kein Problem ist – go for it! Vorsicht: Natursteinplatten sind mit ca 2cm um einiges dicker als z.B. Keramik- oder Feinsteinplatten (ca. 0.8-1.2cm)
Zementplatten – die verbotene Frucht
In Klammern – weil Zementplatten im normalen Alltagsgebrauch ein absolutes No-Go sind. Zementplatten sind äusserst heikel gegenüber Säure und deshalb für all diese Räume wo man normalerweise Platten einsetzt (Dusche, Badezimmer, Küche, Eingang) leider total ungeeignet. ABER sie sind so schön! Würden Architekten für sich selber bauen, gibt es sicherlich viele, die bei sich selbst Zementplatten einsetzen würden – aber empfehlen darf man sie an Bauherrschaften auf keinen Fall.
Leider sehr heikel – aber sie sind so schön!
Ich durfte als Praktikatin in einem Architekturbüro eimal eine Flecken-Testreihe mit Zementplatten durchführen. Und es wurde bestätigt: Wein, Kaffee, Säure, Essig: All dies wird nach einiger Zeit auf deinen Zementplatten verewigt, wenn du es nicht sofort (!) wegwischst. Wenn du also kein Problem mit Patina oder einer lebendigen Oberfläche hast (und das solltest du auch nicht) und gleichzeitig das nötige Kleingeld aufbieten kannst/willst für die eher teuren Zementplatten, dann schau mal im Plattenladen in Zürich vorbei #notsponsored und schau, was es so gibt.
Handwerklicher Luxus: Karak-Platten
Wenn du zu viel Geld hast oder einfach ein totaler Platten-Fetischist*in bist, habe ich einen Geheimtipp für dich: Alle Architekten und Architektinnen haben sicher schon einmal in ihrer Karriere mit Karak-Platte #notsponsored geliebäugelt. Es handelt sich um in einer kleinen Werkstatt in Österreich handgebrannte Keramikplatten in einer japanischen Technik. Das Resulat sind extrem schöne, schwere, farbechte Platten mit wunderschönen Muster.
Leider darf man diese Platten nur aus dem Augenwinkel anschauen, denn mit 600 bis 2’500 CHF pro Quadratmeter (gemäss ihrer Webseite) haben sie definitiv ihren Preis!




Verbreitete Platten-Formate
Wie schon erwähnt sind die Optionen fast unendlich. Von Mosaikplatten bis hin zu riesigen, grossformatigen Platten gibt es fast alles zwischendurch. Am weit verbreitetsten (und oft am günstigsten) ist das Format 30x60cm.
- Glasmosaik 1x1cm
Werden auf einem ‚Netz geliefert‘ Bestehen aus kleinen Glassteinchen. Diese sind immer leicht abgerundet und glänzend. Oft werden Zusätze in das Glas gegeben, damit es farbig wird oder ein Muster entsteht. Glasmosaik ist rutschig und nicht für den Boden geeignet. - Mosaikplatten typischerweise 2x2cm, auch andere Formate möglich
Werden auch auf einem ‚Netz‘ geliefert. Oft Feinsteinzeug mit ’scharfen‘ Kanten. - Retroformate 5x5cm, 10x10cm
Gefühlt oft in alten Schwimmbädern angewendet (keine Ahnung ob das stimmt, aber für mich gibt es diese Referenz…) - Klassische Standards Früher: 15x15cm und 20x20cm
Seit den 80er und 90er Jahren die ‚klassichen‘ Formate für Bäder oder Küchenrückwände - Klassische Standards Heute: 30x30cm, 60x30cm, 45x45cm, 60x60cm
Heute sind grössere Formate machbar, und werden auch angewendet. - Grossformate: 120×60, 120×120 – bis 3mx120cm!
Als Keramikplatten machbar. Dein Bad muss einfach gross genug sein 🙂 - Zwischenformate
Es gibt natürlich noch andere Formate. Ein elegantes – weil seltener gebrauchtes Zwischenmass finde ich zum Beispiel quadratische 7x7cm-Platten. Diese gibt es aber nicht oft. Es gibt natürlich auch noch andere Formen. Beliebt ist beispielsweise das Sechseck oder Stäbchenformen.
Glasmosaik
Die kleinste Format von Plattenbelägen ist Glasmosaik. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um winzige Glasrechtecke. Wegen ihrer fehlenden Rutschfestigkeit werden sie nur an den Wänden verwendet. Eine Glasmosaikwand (zum Beispiel in der Dusche) mutet wie eine Wand aus kleinen, glänzenden Edelsteine an. Shiny!




Feinstein-Mosaiksteinchen
Mosaiksteinchen war schon immer (und damit meine ich: immer!) die edle Form von Steinboden für repräsentative Räume oder Kulturstätten – ein äusserst wertvoller und edler Belag also. Hier in diesen Fotos zum Beispiel eine Ausgrabungsstätte in Heraklion, Griechenland mit 2’000 – 4’000 Jahre alten Bodenmosaiken.


Aber zurück zur Realität! Heute haben wir keine Zeit (sprich: Geld) mehr, um Tage- Woche- oder Monatelang Bodenmosaike zu setzen. Geschweige denn im konventionellen Wohnungsbau. Dies ist aber kein Grund, auf desen Wandbelag zu verzichten. Herzkömmliche Mosaiksteinchen aus Feinsteinzeug gibt es nicht nur in eckig, sondern auch rund und Sonderformen! Hexagon, Rechtecke und diese lustigen ‚Dots‘. Dabei sind die winzigen Plättli schon auf ca. 30x30cm grosse Netzte aufgezogen, um die Verlegearbeiten zu erleichtern.



Eher klassisch und weiter verbreitet für Nutzungen als Duschen-Wandbelag oder hinter dem Waschtisch ist die rechteckige Variante.


Muss ich auf die Rutschfestigkeit achten?
Ja, aber nur bei Bodenplatten. In der Schweiz ist vorgeschrieben, dass Fliesen im barfuss-begangenen Nassbereich rutschfest sein müssen.
Bei Bodenplatten musst du darauf achten, dass sie rutschfest sind. Du kannst also keine glasierten Fliesen als Bodenbelag nehmen.
Dafür gibt es Rutschfestigkeitsklassen. Da musst du eigentlich nur wissen, dass du generell für Böden mindestens R9 brauchst (z.B. Küche, Entrée, Wonzimmer etc.), im Badezimmer-Bereich mindestens R10, und wenn etwas barfuss begangen wird (zum Beispiel eine Dusche) braucht es zusätzlich noch ein ‚B‘ dazu – in der Dusche also R10B. Zack – das ist alles, was du wissen musst! Das ist auch der Grund, wieso du zum Beispiel keine glasierten Plättli als Bodenbelag nehmen kannst, weil diese zu rutschig sind. Bei Mosaikplatten sieht es wieder anders aus. Dort ist der Fugenanteil so gross, dass es wieder funktioniert.
Welche Ausstellungen für Platten gibt es in der Schweiz?
Im Deutschsprachigen Raum sind die grössten Ausstellungen für Fliesen z.B. in Zürich der HGC, Plättli Ganz und SABAG. Architekten gehen normalerweise bei diesen drei Ausstellungen vorbei, um sich inspirieren zu lassen. HGC und SABAG sind praktischerweise auch gleich im selben Gebäude… Bei diesen Ausstellungen kannst du ohne Termin vorbeigehen und alles auf dich wirken lassen. Wenn du Beratung möchtest, kannst du auch einen Termin vereinbaren.
Wenn du keine Ahnung hast wo du anfangen sollst empfehle ich dir, bei Plättli Ganz, z.B. in Wallisellen vorbeizuschauen und mal zu gucken, was es an Fliesen so gibt. Das ist natürlich eine persönliche Präferenz, aber ich finde die Auswahl ist nicht zu gross und gleichzeitig stilvoll. Bis jetzt haben wir bei Plättli Ganz noch immer etwas Schönes gefunden #notsponsored.
Welche Fliesen kann man für den Aussenbereich einsetzen?
Plättli für den Aussenbereich, z.B. auf dem Balkon, Terrasse oder Sitzplatz müssen in unseren Breitengraden frostresistent sein. Damit kommen nur Steinplatten, Betonplatten oder dicke Feinsteinzeugplatten (ca. 20mm dick) in Frage. Betonplatten sind sogar zwischen 30 und 40mm dick – das muss entsprechend so eingeplant werden.
Aber welches Plättli soll ich jetzt nehmen?
Lange Rede kurzer Sinn: Wenn du dich nicht entscheiden kannst, oder es dir nicht so wichtig ist, kannst du mit einem unglasierten, schönen 60x30cm Feinsteinzeugplättli nichts falsch machen! Stilvoll und relativ günstig. Hochkant verlegt ist eleganter als horizontal, Fugenfarbe ähnlich hell oder dunkel wählen wie das Plättli.
Wenn es dir mittelwichtig ist: Besuche eine Ausstellung! Lass dich inspirieren! Sei mutig und entscheide dich für Etwas, was dir gefällt und in dir eine kleine Freude entfacht (im Sinne von ’sparks joy‘, von Marie Kondo). Im Zweifel eine spannende Farbe mit einem ‚langweiligen‘ Format kombinieren, oder eine ‚langweilige‘ Farbe mit einem spannenden Format – lieber nicht beides.
Wenn du ein Material-Nerd bist: Terracotta-Platten, Zementfliesen, Feinsteinzeug – die Welt steht dir offen! Aber du weisst vermutlich eh schon, was du willst und hast Pinterest-Boards und ganze Bilder-Bibliotheken abgespeichert. Dir muss ich nur sagen: have fun!