Naturofloor & Mikrozement

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Beim aktuellen Projekt in unserem Büro entscheiden sich gerade mehrere der Eigentümer für einen Naturofloor-Bodenbelag – im Bad, WC, oder sogar im ganzen Wohnbereich. Aber unter welchen Umständen macht dieser Mikrozement-Bodenbelag Sinn für dich, was kann er und was kostet er?
Und vor allem: Wie gehst du vor, wenn du so etwas (vielleicht) möchtest?

Ich gehe hier insbesondere auf das ‚Produkt‘ Naturofloor ein, denn damit können auch Wände und Nassbereiche ausgestaltet werden, im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten (z.B. Corivesto von Walo). Und es ist ein Schweizer Fachuntenehmen – das ist mir grundsätzlich symphatisch. Dieser Artikel ist aber nicht gesponsert von Naturofloor #notsponsored.

Ist Naturofloor in deinem Projekt möglich und wie gehst du vor?

Vom ersten Gedanken, dass du Naturofloor vielleicht noch schön wäre bis zur Offerteinholung und der eigentlichen Ausführung gibt es aus meiner Sicht ein ‚best practice‘-Weg, den du verfolgen kannst. Ohne, dass es böse Überraschungen gibt.

  1. Abklärung mit Architekten
    –> Entscheid Machbarkeit ja/nein
  2. Besichtigung und Beratung in der Ausstellung
    –> Entscheid in welchen Räumen? An Wänden? Gibt es schon Farben, die dir gefallen?
  3. Offerte einholen
    –> Die Offerteinholung kann üblicherweise dein Planer für dich übernehmen
  4. Bedenkzeit / Muster zuhause anschauen
    –> Definitiver Entscheid (Freigabe Offerte), Entscheid Farbe

1. Abklärung mit Architekten & Planer

Naturofloor ist ein Mikrozement-Belag und nur ca. 3mm dick! Diese Art von Belag kann direkt auf den vorbereiteten Unterlagsboden aufgetragen werden, oder sogar als Wandbelag verwendet werden (z.B. als Küchenrückwand oder Duschwand). Du hast also die Optik von einem ‚Guss- bzw. Fliessboden‘, welcher aber nur eine dünne Schicht ist.

Naturofloor ist nur 2-4mm dick und kann auch im Nassbereich und als Wandbelag verwendet werden

Hinweis:
Es gibt genau eine einzige Duschrinne, welche in Verbindung mit dem Naturofloor in der Dusche zugelassen ist: Die Schaco Aqua Swissline

Ein bisschen Hintergrundwissen: Diese Art von Spachtelung kommt ursprünglich aus dem Renovations- bzw. Sanierungsumfeld. Denn mit der ultradünnen Spachtelung können auch sehr knappe Platzverhältnisse berücksichtigt werden – und noch wichtiger – z.B. auch runde oder sonst unebene Duschwände abgedichtet werden!
Der Naturofloor beinhaltet (gemäss Angaben des Herstellers) ca. 12 Arbeitsschritte, während einer Verarbeitungszeit von rund 3 Wochen. Er kann auf Unterlagsböden, Zementputze aber auch Trockenbauplatten angewendet werden.

Was muss ich tun?
Kläre mit deinen Architekten oder dem Planungsteam ab, ob ein Wechseln auf diesen Belag Bodenaufbautechnisch möglich ist. Allenfalls muss z.B. die Trittschall- oder Wärmedämmung entsprechend erhöht werden, damit es keine Schwelle zu den angrenzenden Zimmern gibt.
–> Entscheid durch Planer: Machbarkeit ja/nein?

2. Besichtigung und Beratung beim Hersteller

Du hast also abgeklärt, ob ein Mikrozementbelag grundsätzlich möglich ist. Gut, jetzt musst du nur noch entscheiden, ob du ihn auch willst. Und in welchen Räumen, in welcher Ausführung, welcher Farbe, und überhaupt!

Du brauchst Beratung: In welchen Räumen, welche Ausführung, welche Farbe?

Denn womöglich hast du bis jetzt erst kurze Blicke bei Bekannten erhascht, oder online Fotos angeschaut. Das reicht nicht aus – du brauchst definitiv kompetente Beratung.

Wenn du ganz ungeduldig bist, kannst du dir ein kleines A6-Muster bestellen, und es ist in wenigen Tagen bei dir. Ein Muster kostet 25 CHF.

Was zur Beratung mitnehmen?

  • Grundriss mit Quadratmeter-Angaben
  • Nasszellenpläne (inkl. Ansichten) wenn du vorhast, Naturofloor dort zu machen
  • Muster von Platten, Parkett, Farben – was auch immer du schon hast von deinem Farb- und Materialkonzept!
    Wenn du keine Muster hast, bring Fotos!
  • Fragen. Bring alle Fragen und Unsicherheiten mit, die du zum Thema hast!

Was muss ich tun?
Mach einen Termin aus beim Showroom von Naturofloor in Malans (oder natürlich auch bei jedem anderen Mikrozement-Hersteller, wenn du etwas anderes möchtest – hey, wieso nicht auch vergleichen??). Dort siehst du grossflächige Muster in verschiedenen Farben und kannst alle Oberflächen (fertig verarbeitet in Mock-up Räumen) anfassen.
–> (Vor-) Entscheid vor Ort: In welchen Räumen? An Wänden, wenn ja wo und wie gross? Gibt es schon Farben, die dir gefallen?

3. Offerte einholen: Was kostet ein Naturofloor?

Sobald du in der Ausstellung warst und vorab entschieden hast, wo du genau welche Flächen haben möchtest, kannst du eine Offerte anfordern.

Der Naturofloor wird nicht von der Firma Naturofloor selber eingebaut, sondern von einem Gipser, welcher darauf spezialisiert ist. Du musst also eine Offerte von einem Gipser einholen welcher für Naturofloor zertifiziert ist (oder besser mehrere: in diesem Artikel‚Offerten einholen und mit Unternehmern verhandeln‘ erfährts du wieso).

Den Farbton musst du noch nicht wissen (aber beachte: je farbiger, desto teurer wegen der Pigmente).

Hier findest du eine Liste bzw. Karte mit allen für Naturofloor zertifizierten Handwerksbetrieben in der Schweiz

Ein Naturofloor kostet etwa so viel, wie ein sehr teurer Parkett

Vorab kann ich dir schon sagen: als Richtpreis (ohne Gewähr) kannst du ab ca 190 CHF pro Quadratmeter Naturofloor rechnen. Das beinhaltet aber NUR den 3mm-dicken Belag, ohne den darunterliegenden Bodenaufbau mit Unterlagsboden, Trittschalldämmung und Wärmedämmung. Du kannst es mit anderen Bodenbelägen, wie z.B. mit Parkett oder Platten vergleichen. Diese Kosten so zwischen 90 und 150 CHF / m2.

Richtpreis
Naturofloor

ab 190 CHF / m2
(Flächenpreis ab 20m2)

Richtpreis
Corivesto (Walo)

230 – 240 CHF/m2

Nicht möglich an Wänden

Richtpreis
Anhydrit geschliffen

140 CHF / m2

Nicht möglich an Wänden
Nicht möglich in Nassbereichen!

ABER du darfst nicht vergessen, dass der Bodenaufbau angeglichen werden muss (falls du den Naturofloor nicht in der gesamten Wohnung möchtest, damit keine Schwellen zu den angrenzenden Räumen entstehen. Es muss also noch dies berücksichtigt werden. Ich werde dazu bald noch Kosten hinterlegen…

Was muss ich tun?
Lass am besten deine Architektin oder dein Planerteam (bei uns macht das zum Beispiel der Bauleiter) eine Offerte von einem zertifizierten Gipser einholen. Darin sollen alle An- und Abschlüsse enthalten sein, Vorbereitungsarbeiten, Mustererstellung etc. Wie schon erwähnt: Hier gibts Tipps zur Offertstellung. Bestelle allenfalls gleichzeitig auch ein grösseres Farbmuster.
–> Entscheid finanziell tragbar?

4. Bedenkzeit und finaler Entscheid

Nach Erhalt der Offerte(n) kannst du über die Bücher gehen. Wo könnte man noch optimieren? Flächen wegstreichen, einfacher gestalten? Was ist dir wichtig? Welche Farben passen am besten zur Rest der Wohnung?

Hier hast du am besten schon dein Farbmuster zur Hand und kannst es in deiner aktuellen Wohnung auslegen. Wie passt es mit den anderen geplanten Materialien zusammen?

Wann must du dich definitiv für eine Farbe entscheiden?

Da hast du zum Glück etwas Zeit. Gemäss Hersteller beträgt die Lieferung der Pigmente ca. 3-4 Tage. Die Farbe muss daher ‚erst‘ einige Tage vor Arbeitsbeginn festgelegt werden. Persönlich rate ich dir aber, diesen Entscheid deutlich vorher und nicht erst last-minute zu fällen!

Andere Dinge, die es noch zu bedenken gibt und dich vielleicht stören:

  • Naturofloor ist ein Naturprodukt und ist hat naturgemäss eine schöne mändrierende, chanchierende Oberfläche. Du weisst schon, halt nicht wie hochglanz-plastik-rein.
  • Naturofloor ist eine glatte Oberfläche. Wenn deine Wohnung nur aus glatten Oberflächen besteht (zum Beispiel bei glattem Weissputz an den Wänden und dem glatten Naturofloor am Boden im Wohnzimmer, kann das einen ‚höhlelenden‘ Effekt erziehlen. Hmm, da muss es doch ein besseres Wort geben…

Was muss ich tun?
In dich gehen! Ist es das, was du willst? Ist es finanziell machbar? Bist du mit den allfälligen Konsequenzen einverstanden? Dann go for it!
–> Entscheid Freigabe Offerte