Innenputz: Abrieb, Weissputz, Sumpfkalk und Lehmputz

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Was sind bezüglich Innenputz deine Optionen, und was gibt es überhaupt zu entscheiden? Sobald ein Mauerwerk oder eine Trockenbauwand verputzt wird, gibt es ein paar wenige Entscheide zu treffen – egal ob im Neu- oder Umbau:

Entscheide, die du treffen musst / kannst:

  • Entweder Standard Innenputz
    Abrieb oder Weissputz
  • … oder Spezial Innenputz
    Sumpfkalk, Lehmputz, Naturofloor…
  • Deckenanschlüsse
    Schwedenschnitt oder Putzprofil?
  • Bonus: Anstrich-Farbe

Was beinhaltet der Standard?

In den allermeisten Fällen wird für den Innenputz von Ein- und Mehrfamlienhäuser Abrieb an den Wänden und Weissputz an der Decke gemacht.

Standard ist 1.5mm Abrieb an den Wänden und glatter Weissputz an der Decke

Weissputz ist extrem glatt, und für Decken super angenehm. Das Licht wird von der Decke reflektiert und nicht von der körnigen Oberfläche eines Abriebs geschluckt – macht deine Wohnung also schön hell. Diese Art von Putz ist auf Gips-Basis (mind. 70%), und sehr diffusionsoffen, nimmt dafür wenig Feuchtigkeit auf. Weissputz an den Wänden ist natürlich möglich, aber den meisten Leuten zu heikel, weil unter Umständen schon das Streifen mit einem Wäschekorb einen Striemen hinterlässt. Für Weissputz brauchst du einen besonders glatten Grundputz-Untergrund, in der Qualität ‚Q3‘.

Abrieb ist das, was du als die körnige Oberfläche kennst. Die ‚Dicke‘ dieses Deckputzes ist so dick wie die Korngrösse, die gewählt wurde. Standard ist 1.5mm. Es gibt aber auch 1.0mm (mein Favorit, da ein elegantes, bezahlbares Mittelmass), und 0.5mm – das gilt dann schon als Feinputz. Später mehr zum Abrieb!

Standard-Aufbau für Abrieb oder Weissputz

  • ca. 10mm Grundputz
  • Wie bei der Fassade wird ein ca. 10mm starker Grundputz auf Zement/Kalt-Basis auf die Backstein- oder Betonwände aufgetragen.
  • Dieser wird dann mit einem Deckputz, zum Beispiel dem ‚Abrieb‘ ergänzt. Der Deckputz ist dann so dick wie das Korn, welches dafür verwendet wird, z.B. 0.5, 1.0 oder 1.5mm.
  • Zum Schluss wird der Deckputz noch vom Maler gestrichen in der entsprechend gewünschten Farbe.

Insgesamt hat also der Innenputz eine Stärke von ca. 10-15mm. Manchmal gibt es aufgrund der Bauweise (zum Beispiel bei Einsteinmauerwerk) Vorschriften, dass der Innenputz der Aussenwand mindestens 15mm stark sein soll.

Soll es glatt werden (Weissputz) oder leicht körnig (Abrieb)?

Was musst du im Standard-Bereich entscheiden?
Du kannst den Deckputz wählen bei den Wänden und der Decke: Soll es glatt sein (Weissputz), oder leicht körnig (Abrieb)?

  • Decke: Weissputz (Standard und empfohlen!) oder Abrieb?
  • Wände: Weissputz (glatt, aber heikel), Abrieb 0.5mm, 1.0mm (meine Empfehlung) oder 1.5mm?

Was passiert, wenn du nichts entscheidest?
Wenn du nichts entscheidest (oder entscheiden kannst) wird in den meisten Fällen Abrieb 1.5mm gemacht. Das ist nämlich die günstigste Option. Frage nach!

Grundputz, die unsichtbare Ausgleichschicht

Bei Massivbauweise wird auf den Beton oder das Mauerwerk zuerst ein Grundputz aufgetragen. Dieser besteht aus einem Zement-Kalk-Gemisch, wobei mehr oder weniger Kalkanteil gewählt werden kann (solltest du zum Beispiel auf einen Sumpfkalk abzielen). Bei Holzbauweise wird der Grundputz wahrscheinlich einfach auf die Gipsplatten aufgetragen (ich habs leider noch nie mit eigenen Augen bezeugen können :D). Dafür wird oft eine Art Spritzgerät verwendet um den Putz an die Wände zu kriegen.

Betonwände dürfen zumindest in der Schweiz bis zu 2cm vom Planmass abweichen. Soviel ist es in der Realität selten, jedoch können kleine Unebenheiten mit dem Grundputz ausgeglichen werden.

Innenputz Grundputz Baustelle
Grundputz
Innenputz Grundputz Spritzmaschine
Spritzmaschine auf der Baustelle

Du musst nichts entscheiden!
Wenn du einen ‚Standard‘ Innenputz möchtest, musst du hier gar nichts entscheiden. Die Mischung des Grundputzes wird vom Gipser bestimmt (oder ist wahrscheinlich von der Branche normiert).

  • Bei Bedarf kannst du das Verhältnis Kalk/Zementgemisch anpassen

Abrieb – der solide Standard für Wände

Für die Wände wird meist ein Abrieb gewählt zwischen 0.5mm (Feinputz) und 1.5mm (Standard). Dazwischen gibt es noch den 1mm-Putz, welchen ich wie gesagt persönlich am schönsten finde, da er weder zu heikel noch zu langweilig ist – sondern edel.

Ein 1.5mm-Deckputz ist Standard und kann in einem Arbeitsschritt aufgetragen werden. Bei 1.0mm gibt es ein kleines Problem: Durch den extrem dünnen Auftrag kann kein gleichmässiges Ergebnis erzielt werden. Es entstehen Wolkenbildungen, die nicht den Qualitätsansprüchen genügen. Deshalb muss ein 1.0mm-Putz (und ich gehe stark davon aus, dass das für kleinere Korngrössen auch gilt) zweimal aufgetragen werden. Dies bedeutet doppelte Arbeit.

1.0mm-Abrieb muss doppelt aufgetragen werden – heisst also doppelte Arbeit

In älteren Gebäuden findet man auch teilweise noch Kratzputz – aber ich glaube das wird heute fast nicht mehr gemacht. Wer weiss, vielleicht erlebt er wieder einmal ein Comeback?

Innenputz Abrieb
0.5mm Korn
1.0mm Abrieb Innenputz
1.0mm Korn
1.5mm Abrieb Innenputz
1.5mm Korn (Standard)
0.5mm Feinputz
0.5mm Korn
1.0mm Abrieb Innenputz
1.0mm Korn
1.5mm Abrieb
1.5mm Korn (Standard)

Was musst du bei Abrieb entscheiden?
Bei Abrieb musst du dich nur für die Korngrösse entscheiden.

  • 1.5mm (Standard und am günstigsten)
  • 1.0mm
  • 0.5mm.

Spezial-Innenputze

Sumpfkalk

Viele Bauherrschaften entscheiden sich heute für einen Sumpfkalkputz – welcher anstatt dem gängigen Kalk-Zementgemisch aus einem Kalk-Sandgemisch besteht. Somit ist er atmungsaktiver, feuchtigkeitsregulierender und ökologisch hochwertiger als ein herkömmlicher Deckputz wie Weissputz oder Abrieb. Die Oberfläche wirkt auch viel haptischer und natürlicher als den normalen Putz, den wir alle kennen.

Sumpfkalk kann ganz einfach anstatt eines normalen Abrieb- oder Weissputztes vom Gipser ausgeführt werden. Der hohe Kalkanteil bedeutet, dass die der Putz natürgemäss schon sehr weiss ist, und – wenn dich Unregelmässigkeiten nicht stören – nicht zwingend noch vom Maler gestrichen werden muss.

Sumpfkalk ist zwar doppelt so teurer wie Weissputz, aber insgesamt immer noch überraschend günstig!

Als Beispiel: Ein normaler Weissputz vom Gipser ausführen zu lassen kostet dich ca. 15 CHF pro Quadratmeter. Möchtest du stattdessen einen Sumpfkalkputz (0.5mm, zweimal aufgezogen und verdichtet), kostet der 32 CHF pro Quadratmeter, plus 5 CHF pro Quadratmeter für „das Beschichten vom Putzgrund auf bestehenden Wänden zur Regulierung der Saugfähigkeit des Untergrundes“ – so stand es kürzlich in einer Offerte, die wir vom Gisper bekommen haben. Also:

  • Kosten Weissputz Total 21 CHF/m2
    15 CHF/m2 + Streichen durch Maler (inkl. Vorarbeit) 6 CHF /m2 = Total 21 CHF/m2
  • Kosten Sumpfkalkputz Total 37 CHF/m2
    32 CHF/m2 + 5 CHF/m2 Beschichtung Untergrund für Sumpfkalk; ohne Maler!

Rechenbeispiel:
Eine ’normale‘ Wohnung kann mit ca. 100m2 Wandoberfläche rechnen – das würde für einen Sumpfkalkputz Kosten von 3’700 CHF anstatt 2’100 CHF für einen Weissputz bedeuten. Für ein Bauprojekt sind das relativ geringe Mehrkosten von nur 1’600 CHF für die ganze Wohnung! Aus meiner Sicht ist es das absolut wert!

Lehmputz

Baustellenfoto, wo Lehmputz aufgetragen wird

Lehmputz ist ein Innenputz der Extraklasse.
Extra einerseits, weil er von allen Putzarten die besten Eigenschaften hat, was Raumklima, Feuchtigkeitsaufnahme- und Abgabe, sowie Schimmelbeständigkeit angelangt. Aber auch, weil er extra aufwändig herzustellen ist.

Wo ist der richtige Ort für einen Lehmputz?

Persönlich finde ich, dass sich ein Sumpfkalk in einem Neubau besser macht. Lehmputz hat eine besondere, handgearbeitete Haptik und eignet sich (aus meiner Sicht) besser für Umbauten, oder Bauten welche von Natur umgeben sind.

Für einen Lehmputz musst du tief in den Geldbeutel greifen – oder selbst Hand anlegen!

Viele Arbeitsschritte führen zum Ziel: Auf einem Bauernhof-Umbau im Berner Oberland habe ich vor Jahren einen Tag lang freiwillig mitgeholfen, Lehmputz aufzutragen. Die Baugemeinschaft hatte Freiwillige um Hilfe gebeten, weil das Geld knapp war und der Umbau viele Räume umfasst. Und ich kann dir sagen: Es ist eine rechte Plackerei, diese vielen Schichten aufzutragen, abzureiben und zu schwämmen. Nichtsdestotrotz ist es eine schöne und lang anhaltende Oberfläche, die jeden Abrieb und Weissputz in den Schatten stellt!

Anschlüsse

Deckenanschluss

Beim Übergang von Wänden zur Decke gibt es das klassiche Problem, dass es sich um zwei Oberflächen handeln, welche sich unter Umständen bewegen oder sogar aus unterschiedlichen Materialien (zum Beispiel Betondecke auf Backstein-Wand) bestehen. Handelt es sich um einen Neubau, können sich Betondecken im Millimeterbereich senken, was wiederum zu Spannungen beim Putz der Wände führt. Als Folge entstehen Risse und unschöne Übergänge.

Die Putz-Übergänge müssen voneinander getrennt werden, um Spannungsrisse zu vermeiden

Die Lösung ist eigentlich ganz einfach: Die zwei Oberflächen müssen voneinander getrennt werden. Dies entkoppelt die Putze und jede Oberfläche kann sich für sich ausdehnen bzw. bewegen, wie sie will. Das geht grundsätzlich auf zwei verschiedene Arten:

  • Schwedenschnitt
    Einfache und saubere Lösung wenn Putz auf Putz trifft. Nach dem Verputzen beider Oberflächen wird ein Messer (keine Ahnung, wie das konkrete Gipser-Werkzeug heisst) entlang der Fuge gezogen. Es entsteht eine ca. 1mm-breite, offene Schattenfuge.
  • Putzprofil
    Das Putzprofil (und davon gibt es eine unendliche Variation von Formen und Herstellern) kommt zum Zug, wenn eine der Oberflächen uneben ist, oder wenn eine der Oberflächen roh bleibt – zum Beispiel bei Sichtbeton-Decken. Wird zum Beispiel die Wand verputzt und darauf kommt eine rohe, und deshalb unebene Betondecke zu liegen, müsste der Gipser auf die holprige Oberfläche anschliessen, und das sieht nicht gut aus. Das Putzprofil (aus Alu oder Plastik) übernimmt die Rolle des geraden Abschlusses.

Natürlich kannst du auf solche Lösungen gänzlich verzichten und darauf hoffen, dass es keine Spannungsrisse gibt. Aber du wurdest gewarnt 🙂

Sockelanschluss

Der Sockel des Innenputzes ist meist (zum Schutz des Putzes vor dem Staubsauger und um unschöne Übergänge des Bodens zur Wand zu überdecken) mit einer Sockelleiste abgedeckt. Wenn du jedoch keine Sockelleiste willst, kann der Putz auch ohne ausgeführt werden, benötigt dafür aber ein bisschen Mehraufwand! Diesen Mehraufwand kostet dich ca. 5 CHF/ Laufmeter.

Du musst dich beim Deckenanschluss entscheiden zwischen:

  • Schwedenschnitt (die einfache und günstige Lösung) oder
  • Putzprofil (bei unebenen Decken oder Balkenanschlüssen)

Falls du keine Sockelleiste willst, musst du das deinen Planern / Architekten mitteilen oder selber die Offerte vom Gipser anpassen lassen.

Vorsicht! Bei manchen Unternehmern ist der ‚Standard‘ (also wenn du nichts entscheidet) weder ein Schwedenschnitt noch Putzprofil, sondern gar nichts! Das ist definitiv nicht empfohlen!

Standard-Farbe von Innenputz

Es gibt zwei glasklare Standard-Farben für den finalen Schlussanstrich, welcher vom Maler gemacht wird. Diese Farben sind überall Standard und bedeuten in den meisten Fällen auch keinen Aufpreis: RAL 9010 und RAL 9016.

Meine Empfehlung für die Wandfarben: Standard RAL 9010

Wenn du nicht weisst welchen, empfehle ich dir RAL 9010. Damit kriegst du ein natürliches, schönes und elegantes Ergebnis, ohne Spezial-Farben.

Was ist der Unterschied zwischen RAL 9010 und RAL 9016?

RAL 9010 ist ein ganz leicht (!) gebrochenes Weiss, mit einem natürlichen Beige-Ton. RAL 9016 ist quasi ein ‚Verkehrsweiss‘. Weisser geht nicht.

Der Artikel wird noch erweitert…. zum Beispiel mit Lehmputz oder Sumpfkalk

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