Sockel- Grund und Deckputz
Ein Fassadenputz besteht aus einem Grundputz, einem Deckputz und dem Anstrich. Der Sockelputz spielt dabei eine besondere Rolle, denn dieser muss bis 50cm über Terrain aus einer speziellen Zementmischung bestehen, um die Fassade gegen aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdreich zu schützen.
Auf den Grundputz folgt der Deckputz. Ein Deckputz ist in den meisten Fällen auf einer Kalk-Zement-Basis, wobei die Anteile variert werden können. Der Deckputz ist so dick wie das Korn, welches ihn ausmacht. Ein ’normaler‘ Putz wie ihn die meisten Fassaden haben, hat ein 1.5mm Korn. Feinputze können aber 0.5mm – 1.0mm dick sein, bis hin zu gröberen Korngrössen von 4.0mm. Es gibt verschiedene Auftragtechniken, von Abrieb über Kratzputz bis hin zu Kellenwurf. Ein Deckputz kann eingefärbt werden – wird aber selten gemacht. Der Deckputz hört ca. 15-20cm ab Boden auf, um dem Sockelputz Platz zu machen.
Der Standard-Deckputz ist ein 1.5mm Korn – Abrieb
Aber nur weil der Standard-Deckputz einer Fassade ein 1.5mm – Abrieb ist, heisst das noch lange nicht, dass du dich damit begnügen solltest. Und um ehrlich zu sein… ist er schon ein bisschen langweilig! Deckputze gibt es in unzähligen Variationen, Strukturen und Körnigkeiten. Im sehr interessanten Buch ‚Über Putz – Oberflächen entwickeln und realisieren‚ von Annette Spiro, Hartmut Göhler und Pinar Gönül sieht man diese Vielfalt wunderbar dargestellt und erklärt.




Der Standard: Abrieb mit Fein- und Grobkorn
Bei den allermeisten Wohngebäuden mit einer verputzten Fassade wird Abrieb gemacht. Es entsteht dann diese körnige Struktur. Die ‚Körnigkeit‘ kann man wählen: Zwischen einem Korn von 0.5mm und 4.0mm ist alles möglich. Bei einem Feinputz (0.5-1.0mm) muss jedoch im Aussenbereich zuerst ein 1.5mm-Abrieb gemacht werden, und dann der Feinputz (hab ich mir von einem Gipser erklären lassen). Wahrscheinlich sind deshalb Feinputze teilweise teurer – aber das kann dir der Gipser sicherlich offerieren.




Bei Innenputz wird übrigens auch fast immer Abrieb gemacht. Alternativen sind (oft bei der Decke) Weissputz – was eine ganz glatte Oberfläche bedeutet – aber auch mehr Aufwand. Standard sind da eher 0.5mm, 1.0mm oder 1.5mm. Persönlich finde ich 1.0mm eine schöne Grösse. Nicht so heikel wie ein Feinputz mit 0.5mm, aber auch nicht so ‚abgelutscht‘ wie der Standard mit 1.5mm, sondern irgendwie eine elegante Zwischengrösse.






‚Fast normal‘: Eleganter Feinputz mit handwerklichen Unebenheiten
Du willst nicht auf den Standard gehen, aber ein ’normales‘ Fassadenbild? Vielleicht sogar ein bisschen edler? Dann schlage ich eine spezielle Art von Feinputz oder auch Edelputz vor, bei welcher ‚handwerkliche Unebenheiten‘ erwünscht sind. Dies führt zu einer eleganten und feinen Oberflächenstruktur, welche man oft bei Altbauten in Städten antrifft.
Im Beispiel unten wurde der Feinputz mit Korngrösse 0.5mm nur aufgezogen, und nicht mehr strukturiert (ohne Reibscheibe bearbeiten). Der Auftrag erfolgt mit kurzer Latte von Hand. Insgesamt entstand eine schöne glatte Oberfläche. Die ‚Unebenheiten‘ sind nur von Nahem oder im Streiflicht erkennbar.


Besenstrich
Eine verputzte Fassade mit einer ‚Besenstrich‘-Oberfläche ist relativ straight-forward. Beim Deckputz wird der Putz mit einem Handbesen horizontal oder vertikal bearbeitet. So entsteht ein – gegenüber einer gekämmten Fassade – relativ lebendiges Bild mit einer feinen Struktur.


Fassadenputz gekämmt
An diesen Beispielen sieht man gut, was man mit einem Kamm (ich hoffe das ist das richtige Wort) alles machen kann. Richtungswechsel inklusive. Die Rillenstärke kann dabei unterschiedlich tief und breit sein. Im Idealfall sind die Übergänge zwischen den Kammstrichen nicht zu sehen – im Beispiel mit den roten Fenstern gelang das leider nicht so gut.






Aus der Mode gekommen: Kratzputz
Zu recht aus der Mode gekommen? Persönlich finde ich die groben, unregelmässigen Kratzputze total altmodisch – habe ihn zugegebenermassen aber noch selter an einem modernen Gebäude gesehen. Vielleicht müsste man ihn neu erfinden? Kratzputz erkennst du daran, dass er wie ein Negativ wirkt. Aus der glatten Fläche scheinen Muster ‚herausgeratzt zu sein‘.



Selten und mutig: Kellenwurf
Kellenwurf ist eine besondere Technik zum Auftragen von Fassadenputz, welche du oft bei älteren Gebäuden sehen kannst. Es ist ein sehr grober Putz, der von Hand ‚angeworfen‘ werden muss. Entsprechend ist er auch teurer als normale Putz-Varianten. Damit der Putz hält, muss zum Beispiel erst ein horizontaler Besenstrich aufgebracht werden.
Zusätzlich entsteht durch den groben Kellenwurf eine so grosse Oberfläche, dass für das anschliessende Streichen vier- oder fünfmal soviel Farbe verwendet werden muss. Dabei gibt es einen dickeren Farbauftrag in den ‚Tälern‘.



Eine günstige Alternative zum Kellenwurf: Ein normaler Putz mit einem 4mm Korn (das ist die maximale Grösse). Dieser kann noch jedoch noch ’normal‘ verarbeitet werden.
Handwerkliche Spielerei im Sockelputz
Teilweise trifft man auf etwas speziellere Beispiele, wie hier: Mit einer handwerklichen Finesse wurde der Sockel vom Kratzputz der restlichen Fassade unterschieden. So ensteht ein dem Sockel angemessener ‚gröberer‘ Eindruck.
Solche Spielereien in der Fassade müssen zwingend mit einem Referenzbeispiel (zum Beispiel mit Bildern wie diesen hier) ausgeschrieben werden. Zusätzlich empfiehlt es sich auf jeden Fall ein genügend grosses Muster (mindestens 1x1m) anfertigen zu lassen. Da dies extrem gekoppelt ist an den tatsächlich ausführenden Handwerker oder die Handwerkerin müssen Sie darauf bestehen, dass diejenige Person welche das Muster anfertigt, auch die Ausführung macht.


… mehr Beispiele folgen
Spezial-Zusätze im Fassadenputz
Wenn du Lust drauf hast, sind der Kreativität bei Fassadenputzen keine Grenzen gesetzt, insbesondere was Zusatzstoffe anbelangt. Ein des Öfteren verwendeter Zusatzstoff ist Glimmer. Dadurch glitzert die Fassade bei bestimmtem Streiflicht der Sonne – ein irgendwie cooler Effekt.

Fassaden-Anstrich
Der Günstige: Anstrich auf Silikonharz-Basis
Die günstigste Version für einen Fassadenanstrich, welche es mittlerweile auch diffusionsoffen gibt. Qualitativ anscheinend auch gut.
Der Allrounder: Mineralische Einkomponenten-Farbe
Soll-Silikatfarbe (z.B. von Keim #notsponsored) mit mineralischem Bindemittel. Diese Farbe ist ca. 5-10 CHF teurer auf den Quadratmeter als Silikonharz. Keim gibt eine 20-jährige Farbtongarantie.
Der Edle: Mineralische Zweikomponenten-Farbe
Eine Rein-Silikatfarbe, welche insbesondere in der Denkmalpflege angewendet wird und etwa 30 CHF teurer ist auf den Quadratmeter als eine Fassadenfarbe auf Silikonharz-Basis.