Nicht jedes kleine Sanierungsprojekt benötigt eine Machbarkeitsstudie, aber bei mittel- bis grösseren Projekten (z.B. einer grossen Sanierung, einem Umbau oder einem Neubau), ist die Machbarkeitsstudie der unverzichtbare, allererste Schritt, den du mit einem Projekt gehst. So kannst du sicher sein, dass deine Wünsche und Ziele verstanden werden, das Projekt in die richtige Richtung geht – und dein Geld an der richtigen Stelle investiert wird.
Eine Machbarkeitsstudie kostet in der Schweiz ca. 3’000 – 5’000 CHF.
Diese Investition lohnt sich jedoch mehrfach im Verlauf des Projekts!
Aber wie gehst du vor? Wie weisst du, ob du eine Machbarkeitsstudie brauchst oder nicht? Lohnt sich die Investition für dein Projekt oder nicht? Brauchst du einen Architekt? Als erstes musst du verstehen, wie ein Projektablauf grundsätzlich funktioniert, und welche essentielle Rolle die Machbarkeitsstudie dabei spielt.
Wann brauchst du eine Machbarkeitsstudie für dein Projekt?
– Bei einem Grundstückkauf oder –Verkauf
– Wenn viel Geld involviert ist (ab ca. 30’000 CHF). Bei grösseren Projekten sowieso!
– Wenn du unsicher bist, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Sei es bei der Finanzierung, dem Baugesetz, oder grundsätzlichen Entscheiden (Sanierung? Grundstückteilung? Anbau? Umbau? Abriss? Neubau, und wie gross und wie viel?)
– Wenn du dich nicht zwischen Szenarien entscheiden kannst (Kinder ziehen ein, du bleibst?; Wohnung vermieten oder verkaufen? Anbauen, aber wo? Welche Wohnungsgrösse macht Sinn?…)
– Wenn du nicht weisst, ob du überhaupt ein Projekt machen kannst! (Finanzierung, Baugesetze, Grösse, Abstände, Hanglage…)
– Wenn du eine erste Professionelle Einschätzung brauchst – die nicht gleich in ein komplettes Projekt ausartet
Der richtige Projektablauf: Zuerst Machbarkeitsstudie, dann Kostenschätzung, dann eigentliches Projekt
Der richtige Ablauf von einem Bauprojekt läuft immer gleich ab, unabhängig davon ob es ein relativ kleiner Umbau ist, oder ein kompletter Neubau:
- Du
Du als Bauherrschaft (inkl. alle Betroffenen) überlegst dir, was die Projektziele sind und welche Ressourcen du/ihr zur Verfügung habt. - Machbarkeitsstudie: Architekt
Du/ihr geht zu einem Architekt und lässt euch im Rahmen einer Machbarkeitsstudie Lösungen vorschlagen, wie eure Projektziele mit euren Ressourcen umsetzbar sind. Das können und sollen mehrere Vorschläge beinhalten. Der Abschluss von einer Machbarkeitsstudie ist eine Kostenschätzung mit 20% Genauigkeit (die Kosten dürfen um 20% abweichen von den schlussendlichen Kosten) - Projekt: Architekt + Planer + Unternehmer
Mit Hilfe dieser Kosten kannst du dich für ein Szenario entscheiden. Damit kannst du z.B. zur Bank gehen und einen Kredit erfragen. Erst dann startet das eigentliche Projekt. Das Projekt selber besteht aus verschiedenen Phasen (Vorprojekt, Kostenvoranschlag KV (mit 10% Kostengenauigkeit), Ausschreibung, Ausführung). Das muss dich hier aber noch nicht interessieren.

Der Vorteil dieser Reihenfolge liegt auf der Hand: Wenn DU ALLEINE überlegst, hat das noch keinerlei finanzielle Konsequnzen. Wenn der ARCHITEKT die Machbarkeitsstudie plant, hat das überschaubare finanzielle Konsequenzen. Hier kannst du Varianten ausarbeiten, alles wieder über den Haufen schmeissen und neu anfangen, so oft wie du willst.
Aber ab Projektstart läuft die Maschine, und es wird immer schwieriger und teurer, noch tiefgreifende Änderungen vorzunehmen.
Die Machbarkeitsstudie ist nicht zu verwechseln mit dem Vorprojekt
In der Machbarkeitsstudie werden mehrere Versionen gleichzeitig untersucht und mit 20% Kostengenauigkeit geschätzt. Das Vorprojekt kommt erst später, und arbeitet eine Version genau aus, mit welchem du dann die Baubewilligung einholen kannst. Zusätzlich gibt es am Ende des Vorprojekts den Kostenvoranschlag (KV) mit 10% Kostengenauigkeit
Häufiger und sehr teurer Fehler bei der Planung
Ein fataler Fehler vieler Bauherrschaften besteht darin, dass sie direkt in das ‚Projekt‘ einsteigen. Vielleicht gibt es eine Besprechung, und der Architekt oder die Architektin macht daraufhin einen Vorschlag. Du findest, das sieht doch grundsätzlich gut aus, und plötzlich sind schon Unternehmer beauftragt und die Planung läuft. Und plötzlich merkst du, Oh, irgendwie geht das alles in die falsche Richtung, und die Kosten laufen auch aus dem Ruder! Das ist ein ganz klares Symptom davon, dass ihr zu wenig Zeit im ersten Schritt – auf der Ebene der Machbarkeitsstudie – verwendet habt.
Du hast eine Architekt:in, aber sie plant etwas, was du gar nicht willst? Du bist am falschen Ort ins Projekt eingestiegen!
Das Symptom zu erkennen, ist der erste Schritt zur Lösung des Problems. Denn die gute Nachricht ist, du kannst jederzeit zu diesem Schritt zurückkehren. Je weiter im Projekt desto schwieriger und teurer natürlich. Aber da es ja dein Projekt ist, kannst du die Handbremse ziehen und mit den Architekten an den Tisch sitzen, um die Optionen zu besprechen. Dennoch wäre es natürlich besser, die Zeit am Anfang zu investieren, um solche Krisensituationen zu vermeiden.
Eine Machbarkeitsstudie kostet in der Schweiz ca. 3’000 – 5’000 CHF, je nach Komplexität. Dies ist im Gegensatz zu den normalen Projektkosten von 1.5 Mio+ ein absoluter Klacks, und sollte dir die Investition wert sein.
Was willst du mit dem Projekt erreichen?
Also fangen wir mir dem ersten Schritt an! Hier hast du noch keinerlei finanzielle Risiken aufgenommen, und es sind noch gar keine Planer involviert – weder ein Architekt, noch die Bank, noch irgendjemand! Du kannst dich also entspannt zurücklehnen. Je besser du dir hier Gedanken gemacht hast, desto einfacher, schneller und günstiger gestaltet sich auch die Machbarkeitsstudie.
Den ersten Schritt machst du alleine – ohne Planer!
Du notierst dir: Was ist das Ziel des ganzen Unterfangens? Was soll am Ende des Projekts erreicht werden, bzw. was ist das gewünschte Resultat? Das kann eine ungeheure Bandbreite betreffen. Geht es um etwas Spezifisches? Es ist total ok, wenn du es nicht genau beschreiben kannst, oder wenn es eine ‚vage‘ Idee ist. Schreib es auf – es wird später präzisiert. Da ich weis wie schwierig es ist, zu destillieren was man eigentlich will, habe ich hier einen ausführlichen Artikel mit einfachen Methoden dazu!
- Behebung von existierenden Mängeln
Das Haus oder die Wohnung hat offensichtliche Mängel, z.B. eine schlechte Heizung, eine uralte Küche, feuchte Räume oder sonstiges, welches du beheben möchtest. - Vermögens-Anlage
Du suchst Wege, um dein Vermögen sinnvoll in deine (oder eine neue) Immobilie zu investieren, z.B. als Altersvorsorge oder einfach als langfristige Investition - Upgrade des eigenen Wohnsitzes
Deine aktuelle Wohnsituation ist nicht befriedigend, und du suchst nach Verbesserungsmöglichkeiten. Vielleicht willst du eine kleinere Wohnung? Eine grössere Wohnung? Das grosse Haus in mehrere Wohnungen unterteilen, die du vermieten kannst? - Übergabe an eine nächste Generation
Vielleicht stehst du mittelfristig davor, deine Immobilie an eine nächste Generation weiterzugeben und fragst dich, ob du dafür Massnahmen ergreifen musst (Parzellenteilung? Teilverkauf? Das musst alles nicht DU überlegen, sondern das wird im Rahmen der Machbarkeitsstudie herauskristallisiert! - Andere Ziele? Wünsche? Sorgen?
Das musst du jetzt tun:
Überlege dir, was die Projektziele sind. Gibt es mehrere? Was sind die Ziele der restlichen Familie, oder betreffenden Personen? Gibt es Überlappungen? Gibt es Differenzen? Diese Methoden helfen dir dabei, deine Gedanken zu ordnen.
-> Schreibe alles auf! Egal ob auf einem Blatt Papier, oder in einer elaborierten Excel-Liste
Welche Ressourcen hast du zur Verfügung?
Gleichzeitig musst du dir klar werden, was deine Ressourcen ist bzw. was dein Budget ist – dann kann das schon in der Machbarkeitsstudie berücksichtigt werden. Du musst ja nicht gleich alle deine Vermögenswerte transparent machen, aber es macht wenig Sinn, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben ohne dass du ein ungefähres Budget offen legen kannst. Es hilft den Architekten wenn Sie wissen, mit welchem Grössen sie planen dürfen – gibt es eher minimale Interventionen oder kann auch eine Maximal-Variante angeschaut werden? Für die meisten Architekten sollte es eine extra spannende Herausforderung sein, mit wenig Budget zu planen. Als Ressourcen gelten:
- Schätzwert der bestehenden Immobilie und Land
- Vermögen, welches investiert werden kann.
- Aktuelle Mietzinsen, wenn du vermietest
Es kann gut sein, dass die Kostenschätzung am Ende der Machbarkeitsstudie zu hoch ausfällt. Dann weisst du immerhin, woran du bist, und kannst auf eine andere Variante umschwenken.
Du weisst nicht, wieviel Wert dein Grundstück oder Haus hat? Einfach Inserate vergleichen
Kein Problem, es gibt ein ‚Low budget‘ Weg, dies herauszufinden. Ohne, dass du dir von der Bank eine teure Schätzung machen musst. Geh auf Homegate, Newhome, Flatfox, was auch immer (auf Tutti sind manchmal auch Häuser inseriert :D) und suche nach vergleichbaren Grundstücken und Häusern. Notiere dir die Preise – idealerweise kannst du gleich die Quadratmeterpreise ausrechnen. Suche dir mindestens 3-5 heraus (mehr sind besser), und rechne den Durchschnitt aus. So hast du eine (sehr grobe) ungefähre Angabe, was dein Haus oder Grundstück wert ist.
Wenn du das nicht selber machen möchtest, kannst du das (später) natürlich auch professionell in Auftrag geben.
Was musst du jetzt tun?
Notiere, was überhaupt ein realistisches Budget ist. Kann 10’000 CHF investiert werden? 100’0000? 1 Million? Es geht um ungefähre Angaben.
-> Schreibe dies auf
Die Machbarkeitsstudie: Wie kann dein Ziel mit deinen Ressourcen erreicht werden?
Du hast also dir überlegt, was deine/eure Projektziele sind, und was du in etwa investieren kannst. Jetzt gehts, du kannst deine Machbarkeitsstudie starten!
Was kostet eine Machbarkeitsstudie?
Was kostet denn so eine Studie? Eine Machbarkeitsstudie kostet in der Schweiz ca. 3’000 – 5’000 CHF, je nach Komplexität. Wenn es sich um ein sehr schwieriges Grundstück handelt oder ein ganzes Areal, sieht es natürlich anders aus und kann auch bis zu 10’000 CHF kosten. Aber dies sind nur Richtwerte, und natürlich ohne Gewähr. Mehr erfährst du, wenn du mit Architekten geredet hast und einige Offerten vor dir auf dem Tisch liegen.
Das Ziel der Machbarkeitsstudie ist, ein oder mehrere für dich finanzierbare Varianten zu finden, wie du deine formulierten Ziele umsetzen kannst. Du wirst also zum Schluss z.b. drei Vorschläge haben, mit je einem ‚Price Tag‘. Aber ganz ehrlich: Jedes Architekturbüro hat ein wenig andere Vorgehensweisen. Bespreche mit ihnen, was sie liefern sollen und was du erwartest.
Was kannst du erwarten?
- Analyse der örtlichen und regionalen Baugesetze (Abstände, Höhen etc.) und Antworten auf Fragen wie:
- Was ist auf dem Grundstück machbar?
- Wieviel Quadratmeter darfst du überhaupt bauen (Ausnützung)?
- Inwiefern lässt sich das Gebäude in die Topografie einbetten (Geschosse, Zugänge etc.)?
- Mehrere Volumen-Vorschläge, die jeweils verschiedene Szenarien untersuchen (z.B. Verkaufen, vermieten, teilen etc.)
- Einfache Situationspläne und Volumenstudien
- Kostenschätzung pro Szenario, +- 20%
- Du solltest aufgrund der Szenarien entscheiden können, welches und ob du eines weiterverfolgen möchtest
Was kannst du nicht erwarten?
- Ausgefeilte Grundrisse und Fassaden.
Dies ist alles Teil des Vorprojekts - Pläne, die du als Grundlage für eine Baubewilligung nutzen kannst.
Das ist Teil des Vorprojekts - Terminplanung
Wie startest du eine Machbarkeitsstudie?
- Kontaktiere drei Architekturbüros* per Mail oder Telefon
Ich bin Fan von Telefon (für einen ersten Eindruck), und dann per Email weitere Details zu schicken. Hier kannst du nachlesen, wieso ich auf drei Offerten bestehe! - Sag, dass du ein Projekt hast und dafür gerne eine Offerte für eine Machbarkeitsstudie möchtest.
Du kannst erwähnen, dass es davon vielleicht einen Folgeauftrag für das Bauprojekt gibt. Aber dass das natürlich nicht garantiert ist. Es ist wichtig, dass du das kommunizierst, denn mache Büros können sich keine Klein-Aufträge leisten. - Wenn sie grundsätzlich interessiert sind (manche Büros haben schlicht auch keine Kapazität), kannst du ihnen deine Notizen der Ziele + Ressourcen schicken, damit sie den Umfang der Machbarkeitsstudie abschätzen können
- Du erhälst die Offerten und kannst sie vergleichen.
- Du erteilst einem der Büros den Auftrag und kannst ihnen bei einer Startsitzung alle deine Ziele noch genauer erläutern.
Kannst du nach der Machbarkeitsstudie noch das Architekturbüro wechseln? Ja, unbedingt! Die Machbarkeitsstudie ist ein separater, bezahlter Auftrag. Und zählt auch als eine Art ‚Kennenlernen‘. Wenn es hier bei diesem Kleinauftrag nicht ‚vibed‘, wird es auch beim Folge-Millionen(!) Auftrag nicht viben!
*Und nein, du musst nicht zwingend denjenigen Architekten nehmen, den dir von Bekannten oder Nachbaren empfohlen wurde. Informiere dich selber, google nach regionalen und überregionalen Architekten (meistens ist eine Stunde Anfahrt die Grenze), deren Projekte dir gefallen!
Was musst du jetzt tun?
Kontaktiere drei verschiedene Architekt:innen oder Architekturbüros für eine Offerte für die Machbarkeitsstudien. Sag ihnen, um was es geht und was der finanzielle Rahmen ist, damit sie den Aufwand abschätzen können.
-> Dann kannst du dich für ein Büro entscheiden und die Machbarkeitsstudie starten
Wie geht es weiter?
Es gibt meiner Meinung nach drei mögliche Endresultate nach einer Machbarkeitsstudie:
- Ein Szenario gefällt!
Super, es scheint eine gute Option zugeben, die auch noch in deinem finanziellen Rahmen liegt? Dies wäre der Augenblick, das Gespräch mit der Bank zu suchen (falls das Projekt überhaupt eine Finanzierung benötigt).
Wenn du von der Bank das OK hast, kannst du das Projekt starten
-> Kontaktiere bei Finazier-Bedarf deine Bank
-> Kontaktiere die Architekt:innen, was die nächsten Schritte sind - Ein Szenario gefällt, aber die Architekt:innen nicht
Die Architekten haben gute Arbeit geleistet und interessante Szenarien aufgezeigt, aber der Vibe stimmt nicht, oder sie haben keine Kapazitäten für eine Weiterverfolgung? Kein Problem, du hast ihnen ja (hoffentlich!) nichts versprochen. Die Studie gehört dir, damit kannst du auch zu einem anderen Architekturbüro gehen
-> Kontaktiere bei Finazier-Bedarf deine Bank
-> Kontaktiere ein anderes Architekturbüro - Ergebnis: Nichts geht!
Das ist leider auch eine Möglichkeit. Es kann sein, dass selbst die Architekt:innen kein Szenario gefunden haben, wo deine Ziele mit den Ressourcen vereinbar sind. Die schlechte Nachricht: Du musst nochmal über die Bücher. Die gute Nachricht: Du hast das Problem früh genug erkannt, ohne dass du schon ein ausgewachsenes Projekt gestartet hättest