Wann kann ich beim Hausbau noch Planänderungen machen? Jederzeit, aber besser jetzt!

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Du sitzt beim Architekten. Die Pläne liegen auf dem Tisch. Irgendwas stimmt nicht — der Grundriss fühlt sich eng an, die Küche ist falsch positioniert, das Schlafzimmer liegt zur Strasse hin. Aber du sagst nichts. Vielleicht ist es zu spät für eine Planänderung. Oder der Plan ist schon irgendwo eingereicht. Vielleicht nervt es, wenn du jetzt wieder etwas änderst.

Du darfst. Du sollst sogar. Und wenn du jetzt in der Planung bist, ist jetzt der richtige Moment.

Dein Nicken, während du innerlich zweifelt, kostet dich am Ende viel mehr als eine unbequeme Frage beim nächsten Planungsgespräch. Hier erfährst du, wann du Änderungen verlangen kannst und warum du spätestens nach dem Vorprojekt auf keinen Fall einfach weitermachen solltest – solange du nicht ABSOLUT zufrieden bist.

Was, wenn du mit dem ersten Entwurf unzufrieden bist?

Was nun? Vorab: es ist in einem Planungsprozess total normal, mehrere Änderungsrunden zu durchlaufen. Eigentlich besteht der gesamte Prozess aus einer fortlaufenden ‚Vorschlag – Feedback – Anpassungs‘- Loop. Oft weiss man erst, das etwas nicht passt, wenn man es schwarz auf weiss sieht – sprich wenn die ersten Pläne auf dem Tisch liegen. Dann heisst es, Feedback klar kommunizieren, Wünsche einbringen und ändern, ändern, ändern bis zu zufrieden bist.

Der erste Entwurf ist selten perfekt! Änderungs-‚Runden‘ sind normal.

Das Problem taucht erst auf, wenn es um grössere Richtungswechsel geht. Wo du jedoch aufhorchen solltest ist, wenn du überhaupt nicht zufrieden bist und ‚kosmetische‘ Änderungen nicht mehr reichen. Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf!  Vielleicht gab es ein Missverständnis mit den Planern, oder du bist überhaupt nicht mit dem zufrieden, was bis jetzt abgeliefert wurde. Wie gehst du dann vor? Dieser Artikel behandelt diese Situation.

Was kannst du tun?

  • Analysieren und mit deinen Wünschen abgleichen
  • Sofort Feedback geben
  • Wenn nötig Handbremse ziehen
  • Keine weiteren Schritte einleiten, bis du zufrieden bist mit dem Stand

Feedback geben = Besseres Projekt

Wenn du nichts sagst, gehen die Planer davon aus, dass alles passt. Wenn du also merkst, dass etwas in die falsche Richtung geht, musst du es sofort sagen – auch wenn es vielleicht unangenehm ist.

Je konkreter, desto besser!

Konstruktives Feedback zum Grundriss, Fassade, aber auch Kostenaufstellung, oder sogar der Kommunikation ist etwas Positives! Durch deine Rückmeldung kann etwas verbessert werden, was ansonsten später zu einem viel grösseren Problem führen kann. Als Architektin am anderen Ende der Pläne bin ich immer froh, wenn es Feedback gibt! Je konkreter, desto besser! 

Beispiel: Nicht ‚Das Wohnzimmer wirkt eng…‘

Sondern: ‚Unser Esstisch (Durchmesser 1.2m) soll reinpassen, mit Genug Platz zum Durchgehen zwischen Sofa und Tisch‘ Könnt ihr den bitte einzeichnen?’ Versuche in Worte zu fassen, was dich genau stört und wie du es dir vorgestellt hast. Bilder oder Fotos helfen auch!

Was sind Beispiele bei einem Grundriss, die verbessert werden könnten?

  • Lange dunkle Gänge
    Wenn, sollte ein Gang auf ein Fenster enden!
  • Keine klaren Bezüge zwischen Küche, Essen und Wohnen
    Nicht alles muss in einem Raum stehen, aber diese Räume brauchen Nähe zueinander und einen im Alltag sinnvollen Weg
  • Deine Möbel passen nicht rein
    Du hast einen grossen runden Esstisch? Ein heissgeliebtes Sofa? Eine Infrarot-Sauna die du wieder haben möchtest? Das alles muss im Plan konkret eingezeichnet sein und Platz haben
  • etc.

Was du im Gespräch konkret fragen kannst:

  • „Gibt es einen Grund, weshalb…
  • „Habt ihr zu diesem Punkt noch andere Varianten untersucht?“
  • „Wenn diese Lösung keine Option mehr ist, was wäre euer nächster Ansatz?

Du musst nicht den Job der Planer machen

Wichtig: Es ist nicht dein Job, die Grundrisse der Planer umzuzeichnen und zu verbessern. Das darfst du natürlich, wenn es dir Spass macht und unter den Fingern juckt! Aber du musst nicht! Dein Job ist es, den Planern mitzuteilen, was du von ihnen möchtest. Diese Wünsche sollen dann von den Planern in gebaute Realität verwandelt werden.

Dein Job ist es, deine Wünsche zu formuliaren , die Planer müssen für dich die gebaute Lösung finden!

Es geht nicht darum, die Planer zu bedrängen, sondern dass du die Pläne nachvollziehen und verstehen kannst. Und dass du verstehst, weshalb deine Idee nicht umgesetzt werden kann. Wenn du es nicht verstehst oder nachvollziehen kannst, bestehe darauf!

Bremsen erlaubt – du bestimmst das Tempo

Say it with me: Keine weiteren Schritte einleiten bis du nicht absolut zufrieden bist! Planungsbüros möchten vorwärtsarbeiten. Das kann dir egal sein. Es dauert solange, wie es dauert! Und ich will für dich, dass du mit dem Resultat nicht nur zufrieden bist, sondern WIRKLICH happy!

Wenn du also mit dem Vorprojekt nicht zufrieden bist, dann wird keine Baueingabe gemacht, bis der Grundriss nicht steht! In der Vorprojekt-Phase sind die Wände ein schwarzes Rechteck, sie umzuzeichnen ist keine Sache. (siehe Artikel: Was muss alles beim Grundrissplan beachtet werden?)

Du kannst in jeder Planungsphase Änderungen machen – zu einem Preis

Grundsätzlich kannst du jederzeit die Handbremse ziehen und grosse Änderungen machen, aber je früher, desto besser! Es gilt die Faustregel: Je später, desto teurer! Hier sind die Planungsphasen kurz im Überblick:

PhasePhasen-InhaltWas ist das Ziel der Phase?Wie einfach ist es, grosse Änderungen zu machen?
Machbarkeitsstudie
Grob-Untersuchung mehrerer VariantenZiel: Einigung auf eine Variante für das VorprojektSehr. Nichts ist fix, alles ist offen! Dream big!
VorprojektAusarbeitung einer VarianteZiel: Baueingabe und BaubewilligungEinfach. Es steht erst die Grundidee, diese ist flexibel
-> Hier spätestens grosse Richtungswechsel möglich!
BauprojektFachplaner und Unternehmer kommen dazu, die Baustelle startet!Ziel: Das fertige ProjektNach der Baueingabe ist das Projekt quasi fix. Je später im Prozess, desto teurer und schwieriger werden grosse Änderungen.

Ab da werden Planänderungen teuer:

In der Machbarkeitsstudie [hier übrigens ein Artikel zum Thema, wann du überhaupt eine Machbarkeitsstudie brauchst und was sie kostet] und im Vorprojekt haben Änderungen noch fast keine Konsequenzen. Rechtecke können umgezeichnet werden – und Berechnungen neu angestellt werden.

Sobald die Baubewilligung da ist, wirds ernst! In der Baubewilligung sind Länge, Breite und Höhe des Gebäudes fixiert. Genauso die Fassade! Theoretisch müsstest du bei jeder Änderung der Fassade eine erneute Baueingabe machen – das gilt es zu vermeiden! Im Innenraum hast du da etwas mehr Flexibilität – aber die statisch notwendigen Wände, sowie Lage und Grösse des Treppenhauses sollten nicht mehr geändert werden müssen.

Sobald erste Fachplaner dabei sind, wirds noch ernster! Nach der Baubewilligung werden die nötigen Fachplaner (Elektro, Sanitär, Bauingenieur, Bauphysik etc.) hinzugezogen. Die Architekten mögen bei ihrer Stundenschreibung relativ grosszügig sein – die Fachplaner sind es definitiv nicht! Es ist üblich, dass nach ersten erstellen Plänen weitere Änderungen in Rechnung gestellt werden.

Beispiele:

  • Fachplaner: Wenn z.B. zu Beginn mit einer Klimaanlage geplant wird, diese dann aber nach einer ersten Planung durch etwas anderes ersetzt wird, hat der Fachplaner anrecht auf eine Entschädigung der Umplanungskosten.
  • Unternehmer: Auch eine schon betonierte Wand kann wieder abgespitzt werden – aber das kostet natürlich! Genauso können schon bestellte Plättli nicht mehr so einfach zurückgeschickt werden.

Tipp zum Abschluss: Vorsicht vor der Sunk-Cost Fallacy

Es kann passieren, dass durch ein Missverständnis ein Projekt in die falsche Richtung geht. Vielleicht merkst du es erst zu spät, und machst dann auf dieser falschen Basis weiter, weil Planungsseits schon zu viel Zeit und Geld investiert wurde. Das ist die ‚Sunk-Cost‘-Fallacy. Bzw. der Zwang, an einer schlechten Entscheidung festzuhalten, weil man sonst das schon investierte als ‚verloren‘ betrachtet.

Der beste Zeitpunkt, dir alles gut zu überlegen ist ganz am Anfang. Der zweitbeste Zeitpunkt ist jetzt!

Hier geht es aber um dein Haus! Ein ganzes Haus zu planen ist ein grosses Unterfangen, welches Verbunden ist mit viel Zeit- und Energieaufwand deinerseits. Und es ist viel Geld im Spiel! Hier gibt es keine Entscheidungen, die leichtfertig getroffen werden sollten. Wenn du dir unsicher bist, darfst du mehr Zeit verlangen, dir Zweitmeinungen einholen und alle Entscheide in Ruhe treffen. Dann wird das ein Projekt, wo du dich jeden Tag an deinen getroffenen Entscheidungen erfreuen kannst!