Dies ist mein Erfahrungsbericht, wie ich in der Schweiz ein Tiny House aus Holz selber von Grund auf gebaut habe. Ich lege gerne alles offen: was das Tiny House gekostet hat, wie ich es finanziert habe welche Arbeiten ich extern auslagern musste. Und was ich zwei Jahre nach dem Projekt anders, einfacher und besser machen würde.
In diesem Artikel findest du:
- Genaue aufgesplittete Kostenzusammenstellung
- Interaktiver Kostenrechner mit Vergleich Eigenarbeit / Extern
- Meine drei grössten Fehler und was ich anders machen würde
- Optional: meine detaillierte Excel-Datei zum Nachrechnen für besonders Neugierige (5 CHF)
Disclaimer: Ich habe das Tiny House als Architekturprojekt gebaut – nicht als einen permanenter Wohnsitz. Aktuell wird es über Airbnb vermietet.
Wieso ein Tiny House bauen, wenn ich ja nicht drin wohnen will?
Long story short: 2023 war ich frustriert vom Architektinnen-Beruf, denn ich wurde gerade gekündigt. Der Grund waren fehlende Aufträge – und ich war die einzige Mitarbeiterin in einem Zwei-Personen-Büro.
Nach einer Kündigung habe ich beschlossen, etwa Verrücktes auszuprobieren.
Deshalb habe ich beschlossen etwas verrücktes zu tun: Ein Tiny House zu bauen in Winterthur in einer Wagenbauerwerkstatt. Ich habe mein Pensum auf 60% reduziert und jeweils an zwei Tagen die Woche an meinem Tiny House geplant und gebaut.

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Gesamtkosten: Wie viel hat es kostet, (m)ein Tiny House selber zu bauen?
Nun zur Gretchenfrage: Wieviel kostet es, ein Tiny House selber von Grund auf zu bauen? Glücklicherweise habe ich während der Bauzeit eine detaillierte Excel-Liste mit allen Ausgaben und Rechnungen geführt – sonst hätte ich sehr schnell den Überblick verloren. Dennoch habe ich für diesen Artikel noch einmal alles nachgeführt und einige nicht gelistete Rechnungen entdeckt, inklusive dem später hinzugefügten Bad-Anbau. Das Resultat: Ich habe für mein Tiny House sage und schreibe 38’800 CHF bezahlt!
Etwa die Hälfte der Gesamtkosten waren Material: Holz, Kupferblech, Gläser für die Fenster, Schrauben etc. Ein signifikanter Anteil mit 30% waren Fremdleistungen. Diesen Teil hatte ich in meiner ursprünglichen Rechnung komplett ausgeblendet. Platzmiete war auch ein grösserer Anteil, als ich das gerne gehabt hätte. Aber durch die lange Bauzeit kamen einige Monate zusammen.
Kosten – Aufschlüsselung
1. Material, Fenster, Türen
18’000 CHF
ca. 50 % Anteil
2. Externe Leistungen
12’900 CHF
ca. 30% Anteil
3. Platz- und Werkstattmiete
6’000 CHF
ca. 15% Anteil
3. Möblierung & Ausstattung
2’000 CHF
ca. 5% Anteil
1. Material: Was war wie teuer?
Material – Aufschlüsselung
Grundgerüst
4’400 CHF
Fenster
5’310 CHF
Türen
1’250 CHF
Kupferdach
3’940 CHF

Grundgerüst & Baumaterial
Die meisten Hölzer stammen direkt aus der Sägerei. Eschen- Fichten und Eichenholz aus der Region, während Birkensperrholz von einem Zwischenhändler eingekauft wurde (Sperrholz wird nicht in der Schweiz produziert).
| Grundgerüst | Esche | 1’500 CHF |
| Unterboden | Fichte | 600 CHF |
| Dämmungen | Holzwolle | 720 CHF |
| Aussenschalung | Fichte | 280 CHF |
| Innenverkleidung | Birkensperrholz | 1’300 CHF |
| TOTAL | 4’400 CHF |

Fenster
Die festverglasten Fenster habe ich aus Kostengründen selber hergestellt – das Doppelflügelfenster wegen zu komplizierten Details anfertigen lassen. Ein riesiger Kostenunterschied!
| Rahmenholz | Esche | 510 CHF |
| Gläser | 2-fach Verglasungen | 900 CHF |
| Doppelflügelfenster | [Bauteil eingekauft] | 3’900 CHF |
| TOTAL | 5’310 CHF |

Türen
Der neun Quadratmeter grosse Raum verfügt neben dem öffenbaren Doppelflügelfenster noch über zwei Türen! Eine Eingangstür, und eine in der Rückwand versteckte ‚WC-Türe‘. Dort kann ein beliebiger Raum angedockt werden – in meinem Fall ein kleines Bad.
Mit drei Türen kann der Raum für unterschiedliche Nutzungen genutzt werden.
Aufgrund der Komplexität und des längerfristigen Gebrauchsanspruchs der Türen (ich will ja, dass die richtig funktionieren!), habe ich die Herstellung des Grundrahmens extern von einem Schreiner machen lassen. Geölt und beplankt, sowie den Schliesszylinder eingebaut habe ich dann wieder selber.
| Rahmenholz | Eiche | 650 CHF |
| Beschläge & Schliesszylinder | [eingekauft] | 600 CHF |
| TOTAL | 1’250 CHF |

Kupferdach
Als Nicht-Schreinerin bin ich schon gar keine Spenglerin. Deshalb habe ich mir das Metalldach für mein Tiny House vom Spengler Julian Scheiwiller offerieren lassen. Ich durfte sogar mithelfen – also ging es noch schneller, und das Blechdach wurde in etwa zwei Tagen fertiggestellt.
| Dachschalungslatten | Pappel | 940 CHF |
| Kupferblech | Kupfer | 3’000 CHF |
| TOTAL | 3’940 CHF |

Ein Kupferdach kostet etwa doppelt so viel wie ein Dach aus Edelstahl. Dennoch wollte ich unbedingt Kupfer, aus zwei Gründen:
- Schönere Details
Kupfer ist weich, deshalb können feingliedrigere Details ausgeführt werden, z.B. ein Stehfalz beim Zusammenfügen der Dachbleche. Aus Ästhetischer sicht war das unverzichtbar. - Schöne Patina und würdevolles Altern
Kupfer bildet sofort Patina. Das Material bildet schon nach Tagen und Wochen langsam eine Patina an der Oberfläche, sobald es Wind und Wetter ausgesetzt wird. Früher wurden Kupferdächer (je nach Umgebungsbedingungen) grün – was man häufig bei Kirchendächern sieht. Heute – und in unseren Breitengraden – wird Kupfer dunkelbraun. Das war der Effekt, den ich wollte.
2. Externe Leistungen: Unverzichtbar, aber ein Loch im Portemonnaie
Ganz ehrlich wurde ich von den externen Kosten überrollt. Ich hatte diese in meiner ursprünglichen Schätzung schlicht und einfach nicht einkalkuliert, weil ich dachte, dass ich alles selber machen kann. Das war naiv.
Der ‚Gap‘ von den tatsächlichen Kosten zur ursprünglichen Kostenschätzung betrifft insbesondere die externen Leistungen.
Denn: Ich durfte nicht ganz alle Maschinen bedienen, brauchte teilweise ein zweites Paar Hände oder professionellen Input, und entschied mich gegen Ende des Projekts, komplexe Arbeiten auszulagern.
Externe Leistungen – Aufschlüsselung
Grundgerüst
2’560 CHF
Fenster
2’000 CHF
Türen
3’060 CHF
Kupferdach
1’700 CHF
Anhänger
3’600 CHF
| Bohlen längs auftrennen (Auftrennmaschine war Off-Limits) | 1’160 CHF |
| Unterboden & Profile kehlen (Kehlmaschine war Off-Limits) | 800 CHF |
| Fensterrahmen kehlen (Kehlmaschine war Off-Limits) | 1’100 CHF |
| Silikonfugen Fenster (Präzisionsarbeit) | 900 CHF |
| Türrahmen & Türblätter (Präzisionsarbeit) | 3’060 CHF |
| Kupferdach / Spenglern | 1’700 CHF |
| Anhänger-Unterkonstruktion, Transport & Platzierung | 3’600 CHF |
| Beratung & Einweisungen | 600 CHF |
| TOTAL | 12’920 CHF |
3. Platz- & Werkstattmiete
Die Platzmiete war 500 CHF im Monat, inklusive der Werkstattnutzung. Ich musste also kein Werkzeug oder Material selber mitbringen – abgesehen von einem zusätzlichen Akkuschrauber, wenn alle anderen besetzt waren.
Da sich meine Arbeit auf zwei Tage die Woche beschränkte, zog sich das Projekt ein Jahr lang hin – und Platzmiete musste ja trotzdem bezahlt werden. Ein nächstes Mal würde ich auf jeden Fall nur einige wenige Etappen machen.
| 12 Monate | à 500 CHF | 6’000 CHF |
Mehr als Platz- und Werkstattmiete
Ich möchte noch gerne erwähnen, dass das Arbeiten in der Wagenbauwerkstatt Holzlabor und die Nutzung der Werkstatt auf natürliche Weise beinhaltete, dass ich auch die anwesenden Schreinerinnen und Schreiner nach Rat und Tipps fragen durfte – unverzichtbar und unglaublich wertvoll! In einer anderen Umgebung hätte ich den Pavillon nie so bauen können.

4. Möblierung & Ausstattung
Das Konzept des Tiny Houses beinhaltet, dass der Raum für verschiedene Nutzungen verwendbar ist. Deshalb gibt es so wenig Möbel wie nur möglich. Der Sessel ist selber gebaut, genauso wie die Badmöbel, die Trockentoiletten-Box und das Regal.
Möglichst viel der Ausstattung ist selber gebaut
| Sessel | Eichenreste, Bezug selber genäht | 100 CHF |
| Vorhang | Vorhangbretter und Leinenvorhang selber nähen | 480 CHF |
| Regal | Birkensperrholz | 210 |
| Treppe | 3S-Platten | 230 |


Wie du deine Tiny House Kosten berechnen kannst
Was kostet ein Tiny House in der Schweiz? Die kurze Antwort lautet: zwischen 20’000 und 200’000+ CHF. Nach oben hin gib es keine Grenzen. Entscheidend ist, wie viel Arbeit Du bereit bist, reinzustecken. Noch vor Grösse, Bauart oder Ausbaustandard.
Faustregel: Rechne deine geschätzten Kosten mal 1.5, dann hast du eine realistische Vorstellung, was dein Tiny House kosten kann.
Meine ursprüngliche Kostenschätzung belief sich auf ca. 25’000 – 30’000 CHF. Das ist ziemlich weit weg von dem, was es zum Schluss gekostet hat. Im Rückblick kann ich sagen: Rechne deine Kostenschätzung mal 1.5, dann hast du eine realistische Vorstellung, was dein Tiny House kosten kann.
Was kostet dein Tiny House? Das entscheidest du selber.
Nach oben gibt es keine Grenze. Entscheidend ist nicht Grösse oder Ausbau, sondern wie viel Arbeit du selber machst. Stell jeden Bauschritt auf ’selber machen‘ oder ‚extern‘ und sieh, wie sich Preis und Zeitaufwand verschieben. Die Stunden stammen aus meiner persönlichen Erfahrung als Architektin und ‚Laien‘-Schreinerin. Für ein Tiny House von ca. 9m2.
Baumaterial
Holz, Glas, Blech, Schrauben: Material zahlst du immer, egal ob du selber oder jemand Anderes baut. Schieb von günstig (Balken aus dem Baumarkt, Stahldach, Fichtenfenster) bis teuer (Kupferdach, Eichenfenster, Alles Massanfertigung, Innenausbau). Mein Pavillon lag wegen dem weggelassenen Innenausbau (keine Küche, fast keine Möbel) in der Mitte.
Die Bauschritte
Externe Arbeit rechne ich mit 100 CHF/Std. Selber gemacht kostet 0 CHF, aber deine Zeit.
Hinweis
Das sind meine Stunden, als lernende Architektin, die (ausser Planung) alles zum ersten Mal gemacht hat. Eine geübte Handwerkerin ist schneller, ein kompletter Anfänger langsamer. Nimm die Zahlen als Richtwert, nicht als Fakt.
Nicht enthalten: Platz- und Werkstattmiete sowie Standort und Bewilligung.
Meine komplette Kosten- und Zeit-Liste zum Nachrechnen
Wenn du ganz tief reinwillst in die Materie, stelle ich dir gerne meine tatsächliche Kosten- und Stundenliste des Projekts zur Verfügung.
Die Excel-Liste zeigt dir jeden einzelnen Posten, inklusive Tipps.
Die Liste ist als editierbares Excel-File aufgebaut – du kannst deine eigenen Zahlen eintragen und siehst sofort, wo bei deinem Projekt das Geld hinfliesst.
- Alle 635 Stunden, aufgeschlüsselt nach Arbeitsschritt
- Jede einzelne Materialrechnung und externe Kostenposition
- Persönliche Bemerkungen bei gewissen Posten – was ich anders machen würde
- Frei editierbar für deine eigene Kostenplanung
5 CHF per Twint – kein Newsletter, direkt zum Download.

Was ich jetzt anders machen würde
- Einfachere Konstruktion = weniger externe Kosten
Material ist nicht das Teure bei einem Tiny House, wohl aber die externe Arbeit Arbeitszeit. Für mein Projekt habe ich eine der aufwändigsten Methoden gewählt (Holzfachwerk mit Holznägeln und Schlitzzapfen. Für mich ok, weil ich die Methode erlernen wollte. Wenn das für dich nicht so wichtig ist, gibt es einfachere Optionen:- Konstruktion vereinfachen, z.B. mit Metallverbindungen anstatt Holzverbindungen
- Einfachere Details, zum Beispiel bei der Fassade (ich hatte aufwändige – dafür schöne 😉 – Eckausbildungen. Darauf könnte verzichtet werden
- Bauen ‚in einem Rutsch‘
Bauen an zwei Tagen der Woche ist ein Seich! Abgesehen von der immer höher werdenden Platzmiete, während man den Platz nur teilweise nutzt, hat ein so ‚verzetteltes‘ Arbeiten mehrere Nachteile: Du musst jedes Mal von Vorne überlegen, was gerade zu tun ist; du musst jede Woche deine Werkzeuge zusammensuchen; es ist nimmt immer jemand da, der dir helfen kann; und insgesamt siehst du viel später Progress.
Der Vorteil wiederum ist, dass du jeweils eine Woche lang Zeit hast, um dir die nächsten Schritte zu überlegen, Recherche zu betreiben und Teile zu bestellen.- Bei einem weiteren Projekt hätte ich mehr Knowhow und wüsste besser, was ich wann bestellen und ausführen muss.
- Entsprechend würde ich Ferien oder Unbezahlte Zeit nehmen und alles in ein oder zwei Etappen ausführen.
- Standort vor dem Bau klären
Ich habe mich in das Projekt gestürzt ohne zu wissen, was ich später damit anstelle – und ob ich das Tiny House überhaupt irgendwo hinstellen kann. Diesen Stressfaktor hätte ich mir sparen können mit einer frühzeitigen Standortsuche.- Dies schlägt sich in den Kosten nieder!
Ein Wort zur Finanzierung
Ich würde mich als ‚Macherin‘ bezeichnen. Das ist eine wunderbare Eigenschaft in manchen Situationen, aber wenn es um eine finanzielle Planung geht ist diese Einstellung fatal. Ich habe die Kosten zu niedrig geschätzt und wollte oft keinen günstigeren Kompromiss eingehen (Edelstahl wäre 2x günstiger gewesen als ein Kupferdach).
Es wurde einige Male ziemlich knapp – Reserve einrechnen lohnt sich!
Gegen Ende der Bauzeit hochschwanger und habe einige Arbeiten extern machen lassen, nur damit alles schneller vorangeht und ich noch vor dem Geburtstermin meiner Tochter genügend ‚fertig‘ würde, sodass der Pavillon transportiert werden kann. Unter anderen Umständen hätte ich diese Arbeiten selber gemacht (die Eingangs- und die WC-Türe, oder die Unterkonstruktion für den Anhänger). Aber dieser Zeitdruck hat mich tausende Franken gekostet.
Meine Eltern haben mir und meinen zwei Geschwistern ein Vor-Erbe von jeweils 10’000 CHF überwiesen. Dies habe ich in den Pavillon investiert, da ich selber über kein grosses Vermögen (geschweige denn 38’800 CHF) verfügt habe.
Mein 100% Lohn als Architektin wäre damals ca. 6’000 CHF gewesen, mit meinem 60% Pensum kam das auf ca. 3’600 CHF netto im Monat.
So konnte ich die eingehenden Rechnungen jeweils mit meinem Teilzeitjob begleichen. Aber es wurde einige Male ziemlich knapp.
Zum Schluss war das Tiny House transportierbar, jedoch nicht nutzbar als Airbnb. Vorhänge, Treppe und WC fehlten. Ich hatte jedoch kein Geld mehr, und durch meinen Mutterschaftsurlaub kam auch kein Geld mehr rein. Mit der Gofundme-Kampagne kamen einige hundert Franken zusammen – aber nicht genug.
Meine Mutter hat mir die fehlenden 3’000 CHF ausgeliehen, damit ich den Pavillon bewohnbar machen konnte. Mit dieser Hilfe konnte ich das Material kaufen und alles fertigstellen – das Darlehen wurde in der Zwischenzeit zurückbezahlt.
Tipp: Du als vernüftige Person solltest genügend Geld auf die Seite legen, sodass du nicht auf fremde Hilfe angewiesen bist. Glaub mir, es fühlt sich echt nicht cool an, Leute um Geld zu fragen. Bitte suche nach einer schlaueren Finanzierung als ich, da bin ich kein Vorbild!
Hast du Fragen zum Projekt oder benötigst du Unterstützung bei der Planung? Kontaktiere mich via architektieren@gmail.com





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