Einen auf deine persönlichen Bedürfnisse abgestimmten Grundriss zu entwerfen ist schwierig! Der Entwurf ist ein Prozess aus mehreren Teilen, welcher nicht in ein paar Stunden abgeschlossen ist, sondern deine Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum verlangt. Es ist aus meiner Sicht essentiell, dass du dir die Mühe machst, den ganzen Prozess detailliert ein erstes Mal durchzuarbeiten und so lange zu wiederholen, bis du zufrieden bist.
Je früher im Prozess, desto einfacher können grosse Anpassungen gemacht werden.
Es lohnt sich, genug Zeit auf jede der einzelnen Teilbereiche des Prozesses zu verwenden. Denn wenn du nicht weisst was du willst, kannst du tausend Grundriss-Varianten zeichnen, ohne dass du der eigentlichen Sache näher kommst: Deinen Grundriss zu entwerfen. Und während der Planungsprozess voranschreitet, werden die ungelösten Probleme nicht auf magische Weise verschwinden, sondern nur verschärft werden. Je früher im Prozess, desto einfacher können grosse Anpassungen gemacht werden. Um meine Tipps besser zu veranschaulichen, werde ich gleichzeitig mit dir einen (fiktiven) Grundriss entwerfen.
- Vorbereitungsarbeit: Präzise Wünsche formulieren
- Mindmap-Methode
- Raumprogramm
- Hauptteil: Grundriss Entwerfen
- Ortsbestimmte Rahmenbedingungen
- Grundriss-Tetris
- Nachbearbeitung
- Prüfung der Kriterien
- ggf. Wiederholung
Vorbereitungsarbeit: Präzise Wünsche formulieren
Der erste und wichtigste Schritt bei einem Grundriss-Entwurf beginnt, noch bevor du an das Plan zeichnen denkst. Denn du musst dir absolut klar werden, was du willst – auch wenn es erfahrungsgemäss schwieriger ist als gedacht. Einen präzisen Wunsch zu formulieren hat nichts mit Grössen oder Massangaben zu tun. Es geht darum, deine Bedürfnisse in Worte zu fassen.
„Hell, grosszügig und lichtdurchflutet sind keine persönlichen Wünsche, sondern allgemeingültige Bedürfnisse“
Vermeide, dich auf die allgemeinengültigen, vage formulierten Phrasen wie ‚großzügig, hell, lichtdurchflutet, gemütlich etc. zu beschränken. Jeder und Jede möchte, dass ihr Projekt die oben erwähnten Eigenschaften erfüllt. Diese Begriffe sagen also weniger etwas über deine persönlichen Wohnträume aus, sondern mehr über Räume, in denen wir uns als Menschen generell wohlfühlen.‘ Aber was genau sind denn die persönlichen Wünsche und wie findest du sie heraus?
Mindmap-Methode
Es gibt verschiedene Herangehensweisen bzw. Methoden, wie du dir klar werden kannst, was du willst. In diesem Artikel sind alle meine persönlichen Methoden mit ausführlichen Beispielen erklärt. Aber hier ist die einfachste und wichtigste Methode kurz für dich zusammengefasst:
Du brauchst: A4-Blatt und Stift.
- 1. Runde: Schreibe um einen Projeknamen (bei uns jetzt ‚Grundriss‘) in der Mitte hierarchie-los alle Wünsche, die dir im Zusammenhang damit durch den Kopf geistern.
- 2. Runde: Umrande alle dir wichtigen Kriterien einmal. Wiederhole diese Runde, bis sich die wichtigsten Aspekte herauskristallisieren.



BEISPIEL: In meinem fiktiven Grundriss-Beispiel ist mir anscheinend wichtig, dass es nutzungsneutrale Räume werden (im Rahmen der gestalterischen Nachhaltigkeit, welche für mich immer ein Thema ist), dass es eine über-Eck Beziehung gibt zwischen Wohnzimmer und Küche, dass das Wohnzimmer kein Durchgangsraum ist (was in vielen modernen Grundrissen ein Problem ist), und dass es einen halb eingeschobenen Balkon gibt. Dann gibt es noch weniger wichtige Prioritäten.
Kuchendiagramm-Methode
In einem nächsten Schritt gehen wir durch die einzelnen Räume und schauen uns die Funktionen an, welche gemäss unseren Bedürfnissen in diesen Räumen stattfinden werden. Diese Funktionen teilen wir in Schnitze ein, welche repräsentieren, welchen Anteil diese Funktion in diesem Raum hat – zeitlich gesehen. Wieviele Stunden wirst du in diesem Raum mit dieser Aktivität verbringen?
Beim Schlafzimmer zum Beispiel: ‚Schlafen‘ ist ein grosser Teil. Aber was ist mit ‚Ankleiden‘, eventuell auch ‚den Kindern eine Gutenacht-Geschichte Lesen‘, oder ‚Arbeiten‘? Du weisst am Besten, wie deine Räume genutzt werden, bzw. wie du sie nutzen möchtest! Hier entscheidest du auch zum ersten Mal, wieviele Räume und welche Art von Räumen dein Grundriss haben soll.
Du brauchst: A4-Blätter und Stifte
- Zeichne für jeden (dir wichtigen) Raum einen leeren Kuchen
- Liste rundherum die Aktivitäten/Funktionen auf, die darin stattfinden werden
- Überlege kurz und teile den Kuchen in Schnitze auf, welche den zeitlichen Anteil der Aktivitäten repräsentiert
- Markiere die Funktionen mit den grössten Anteilen an Zeit



Raumprogramm
Aus unseren zwei Methoden kristallisiert sich langsam ein Raumprogramm heraus. Ein Raumprogramm ist nichts anderes als eine Liste mit den Räumen die du benötigst, plus den jeweiligen Anforderungen. Wir schauen uns das Resultat aus den zwei Methoden an und halten unsere Notizen zu den wichtigsten Räumen fest. Zum Schluss machen wir eine Schätzung, wieviel Platz diese Räume benötigen könnte. Als Grundlage für die Quadratmeter nimmst du am besten die gesetzlich geforderten Mindestraumgrössen (Siehe Artikel ‚Wie gross müssen Räume sein?‘) oder orientierst dich an den Richtlinien aus dem gratis online herunterladbaren Raumpilot Wohnen.
Zusätzlich zum untersuchten Raumprogramm kommen noch die anderen Räume, z.B. Balkon oder Treppenhaus. Für einen Balkon kannst du als Richtgrösse 8-10m2 und für ein Treppenhaus 5-6m2 rechnen. Nun haben wir unser kleines Raumprogramm zusammen und können bald anfangen, Grundriss-Tetris zu spielen!
Wohnzimmer 18-22m2
- Freie Bodenfläche (mit Teppich?) zum spielen und Lesen mit den Kindern
- Bequeme Sitzgelegenheiten zum Relaxen
- Wandfläche gegenüber Sofa für Beamer
- Ablage neben Sofa für Laptops
- Muss ggf. zu Gästezimmer umfunktionierbar sein (Türe?)
- Über-Eck Beziehung zu Küche
- Kein Balkon vor Wohnzimmer
- Kein Durchgangsraum
Küche ca. 15m2
- Kochen und Essen haben gleich wichtige Funktion: Platz für einen Esstisch
- Genug Platz auch für Gäste
- ev. Bastel- und Malaktivitäten am Tisch
Zimmer 16-18m2
- Elternschlafzimmer nur zum Schlafen + Anziehen
- Platz für einen Schrank
- Kinderzimmer zum Schlafen und Spielen
Badezimmer ca. 4m2
- Badewanne und Platz für Badeplausch-Spielzeuge
- Dusche (in Badewanne)
- Grosses Lavabo mit Ablage für Körper-/Gesichtspflege
Hauptteil: Entwerfen
Ortsbestimmte Rahmenbedingungen
Ugh, Gesetze, Abstandlinen, Beschränkungen! Bevor du mit dem Grundriss-Tetris loslegen kannst, müssen wir noch kurz die Standort-Rahmenbedingungen untersuchen – wenn es dort überhaupt Spielraum gibt. In diesem Artikel ‚Haus richtig auf dem Grundstück platzieren‚ gehe ich auf diese Problematik ein. Kurz zusammengefasst. Ich meiner Sicht macht es Sinn, das Haus nahe an der Strasse – für eine klare Adressierung – und gleichzeitig auf dem wenigsten schönsten Platz zu setzen – damit die schönen Orte frei bleiben für deine Nutzung.
Sonst noch wichtig sind:
- Mögliche Grösse bestimmen (Abstandslinien, Ausnützungsziffer?)
- Orientierung (wo ist die Adressierung? Wo die Aussicht? Wo willst du raus? Wo ist es ruhig? Von wo kommt die Sonne?
Diese Faktoren kannst du in einem ersten Schritt Grob-Skizzieren. In einem nächsten Schritt müssen gerade die Abstandslinien und gesetzlichen Rahmenbedingungen genauestens untersucht werden! Sonst kann es gut sein dass du deinen perfekten Grundriss entwirfst, dieser aber gar keinen Platz hat.
BEISPIEL: In meinem Fall habe ich für mein fiktives Projekt ein reales Grundstück gefunden, und dieses auf seine gesetzlichen Rahmenbedingungen untersucht. Ich habe das kantonale Baugesetz und die Gemeinde-Bauregeln studiert (für diese langweiligen Sachen lohnt sich manchmal tatsächlich ein Architekt…) und daraus die Rahmenbedingungen rausgefunden:


Grundriss-Tetris
Jetzt sind wir bei dem Teil angelangt, auf den du dich womöglich am meisten gefreut hast – das tatsächliche Grundriss-Zeichnen. Wuhuu! Dies ist der zeitaufwändigste und schwierigste Teil – gleichzeitig aber ein wunderbar spannender Prozess – und der Grund, weshalb die meisten Architekten trotz allem gerne Architekten sind. Eine Warnung vorab: die Lösung ist leider nie (auch auch wirklich nie!) einfach. Der Prozess vom Grundriss-Tetris wird wiederholt, bis du einigermassen zufrieden bist und eine stabile Grundlage hast, auf welcher du weiterarbeiten kannst.
Der erste Grundriss-Entwurf darf nicht detailliert sein.
Grob-Entwurf als Skizze
Der erste Grundriss-Entwurf muss und darf nicht detailliert sein, denn es ist ein grober Entwurf. Am besten beginnst du damit, dein Raumprogramm in Skizzenform aneinanderzufügen, ohne auf die Masse zu achten. In dieser Form kannst du theoretisch hunderte von Entwürfen in einigen Stunden durchgehen. Sobald du eine oder mehrere gute Varianten gefunden hast, kannst du sie (immer noch mit Blatt und Stift!) ein wenig genauer aufzeichnen. Zum Beispiel im Massstab 1:100 auf ein A4-Papier. Du musst noch nicht einmal die Fenster einzeichnen, und die Türen kannst du zum Beispiel mit einem Durchgangs-Strich markieren. Diese Art zu Arbeiten spart unglaublich viel Zeit!
Zur Reihenfolge: Am besten startest du mit der Beziehung zwischen Wohnzimmer und Küche, nachdem du den Eingang und das Entrée platziert hast. Ist die Küche gegenüber dem Wohnzimmer, angrenzend, über Eck? Danach kannst du die Zimmer anornen, und danach das Badezimmer, welches idealerweise an der Fassade einen Platz findet. Zusätzliche Räume wie Reduit, Balkon etc. können zuletzt addiert werden.

Überlegungen zur Skizze
1. Erster Versuch, aber es entsteht ein ‚gefangenes Zimmer‘. Nope!
2. Mich stört, dass die Küche nicht beim Balkon ist
3. Vorteil dieser Variante: Bad und Küche können sich einen Installationsschacht teilen (super bei mehreren Geschossen)
4. Das Entrée und Esszimmer könnten zusammengefasst werden
5. Die Idee gefällt mir doch nicht – ausserdem will ich gar kein Esszimmer
6. Beste Idee bis jetzt, welche all meine wichtigen Kriterien beinhaltet
TIPP : Bitte versuche so lange wie möglich, auf Software-Unterstützung beim Grundriss-Zeichnen zu verzichten. Ich weiss, es ist verlockend! Aber es behindert dich im Denken, wenn der Plan schon zu präzise ist, während du noch mit Ideen jonglierst. Die einzige Ausnahme von dieser Regel gilt dann, wenn du schon fliessend in einem CAD-Programm bist. Ansonsten gilt: bitte bitte Hände weg davon!
Detaillierter Grundriss
Nachdem du eine oder mehrere interessante Varianten skizziert hast, kannst du sie ein wenig genauer aufzeichnen. Am besten dient dir da kariertes Papier. Dabei kann z.B. ein Häuschen = 1m sein, um den Massstab zu vereinfachen.

…dieser Artikel ist in Bearbeitung…