Schlaue Wohnungs-Grundrisse & Gamification

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Es ist nicht einfach, einen schlauen Wohnungs-Grundriss als Inspiration für die Grundrisse der eigenen Wohnung oder des eigenen Hauses zu finden. Pinterest ist von 200m2 grossen Amerikanischen Grundrissen überflutet, während eine Google-Suche auch nur bescheidene Ergebnisse liefert. Was du willst sind realistische, schlaue und umsetzbare Grundrisse – welche in der Schweiz funktionieren.

Deshalb habe ich für dich die Grundriss-Fibel nach schlauen Grundrissen durchstöbert und drei ausgewählt, die mir positiv aufgefallen sind. Die Grundriss-Fibel ist ein Schmöker mit läppischen 1’300 Seiten – und ein in der Architekturwelt berüchtigtes Archiv von Wettbewerbsbeiträgen im genossenschaftlichen Wohnungsbau in Zürich.

Genossenschaftlicher Wohnungsbau als Referenz: Effizienz, Nützlichkeit und ein Streben nach Innovation und ‚Neuem‘

Wettbewerbsbeiträge von Genossenschaftlichem Wohnungsbau sind deshalb interessant, da sich jedes Architekturbüro gegenseitig zu übertreffen versucht, die schlausten und innovativsten Lösungen für Wohnungs-Grundrisse zu finden. Die Grundrisse müssen dabei jedoch für die Bewohner nützlich – und für die Genossenschaft auf lange Sicht nutzbar bleiben. Eine Win-Win Situation.

2.5 Zi Grundriss mit eingebauter Gamification

Einer meiner Lieblings-Wohnungs-Grundrisse überhaupt ist der Wettbewerbsentwurf von Urs Primas und Jens Studer für die Alterswohnungen in Hirzenbach, Zürich von 2003. Auch wenn es hier explizit um Wohnen im Alter geht, spricht der Grundriss eine altersübergreifende Sprache: Gamification.

Gamification ist ‚der Einsatz von spielerischen Elementen oder Mechaniken in einem nicht spielerischen Umfeld‘1 – in diesem Fall ein Grundriss. Mit den zahlreichen Türen können Bereiche vom Grundriss nach Lust und Laune geöffnet oder abgetrennt werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Grundriss-Mechanik auch für mehrere Zimmer erweitert werden kann.

Das ist schlau:

  • Umschwenkbare Türen können gleich drei verschiedene Szenarien bedienen: A, B & C
  • Konzeptuell anpassbar: Würden die Türflügel noch verbreitert, könnte der innere ‚Bad/Küchen-Gürtel‘ noch verbreitert werden
  • Fenster für Bad und Küche – bei heutigen Grundrissen ein Luxus, jedoch von unschätzbarem Nutzen für alle Bewohner:innen
  • Mögliche Unterteilung der grossen Räume bei Bedarf in zwei Kleine.
Wohnungs-Grundriss 2.5 Zimmer Studer Primas
Grundriss 2.5 Zi; basierend auf den Wettbewerbsbeitrag von Urs Primas und Jens Studer für die Alterswohnungen in Hirzenbach, Zürich
Grundriss 2.5 Zi Wohnung Schweiz
Szenario A: Türen ganz herumgeschwungen: Bad/Küche sind offen zugänglich
Wohnungs-Grundriss 2.5 Zi Schweiz
Szenario B: Türen mittig geschlossen: Bad/Küche als abgeschlossene Räume
Schweizer Grundriss 2.5 Zi Wohnung
Szen. C: Türen an Zeilen geschlossen: Bad/Küche verschwindet als ‚Einbauschränke‘

Klassischer 4.5 Zi Grundriss mit einer Überraschung

Wie schön oft erwähnt bin ich ein Fan von gleich oder ähnlich grossen Räumen im Sinn von Gestalterischer Nachhaltigkeit (Nicht nur das Material ist nachhaltig, sondern auch die Gestaltung, sprich: der Grundriss). Und in diesem Artikel habe ich schon sinnvolle Elemente von Grundrissen untersucht, z.B. die Position des Balkons. Dies ist eine Stärke dieses spezifischen Grundrisses den wir hier haben, welcher klassisch mit Verteilraum (hier als Gang) funktioniert. Ungewöhnlich ist jedoch, dass die Küche dem Balkon vorgesetzt ist und man am Herd stehend nach draussen schauen kann.

Ich mag Grundrisse, dessen Konzepte erweiter- und umstellbar sind. In diesem Wohnungs-Grundriss kannst du z.B. die Räume untereinander mit Durchgängen verbinden oder kombinieren; du könntest die Küche noch offener gestalten (z.B. mit einer Doppelflügeltüre), oder das Bad beim Eingang dem Schlafzimmer nebenan als ‚Ensuite-Bad‘ zuweisen.

Das ist schlau:

  • Offener Wohnraum mit geschützten Ecken, welcher durch den mittigen Eingang natürlich in zwei Teile zoniert wird für eine einfachere Möblierung des grossen Raums.
  • Position der Küche mit einem Fenster zum Balkon, anstatt das Fenster im Rücken zu haben.
  • Separater Entrée-Raum, wo Schuhe und Jacken ausgezogen und versorgt werden können.
  • Verteilraum als Gang, der nicht in einer dunklen Sackgasse endet, sondern in seiner Verlängerung sogar das Wohnzimmerfenster erreicht.
  • Position des Balkons ist genau dort, wo man ihn braucht, an der Schnittstelle zwischen Küche und Essplatz
Grundriss Wohnung 4.5 Zi; basierend auf den Wettbewerbsbeitrag von Bünzli Courvasier für die Hagenbuchrain Siedlung in Zürich.

Kleiner Exkurs: Klassisch vs. Moderner Grundriss

In einem klassischen Grundriss kannst du alle Räume durch einen ‚Verteilraum‘ erreichen, während die Mitte von ein moderner Grundriss mit einem ‚Kern‘ besetzt ist.

Grundriss klassisch
Klassisch: Verteilraum in der Mitte, woher alle anderen Räume erschlossen werden.
moderner Grundriss
Modern: Die Mitte ist von einem ‚Kern‘ (meistens Bad) besetzt

Moderner und erweiterbarer 5.5 Zi Grundriss

Moderne Grundrisse sind aus meiner Sicht oft unflexibler als klassische Grundrisse. Denn diese können ausgedehnt oder zusammengepresst werden, ohne dass deren Funktion (dank des zentralen Verteilraums) eingeschränkt wird. Bei modernen Grundrissen hingegen hast du mehr Abhängigkeiten.

Dieses Problem wird in meinen Augen in diesem Beispiel gut gelöst. Was im ersten Moment nicht speziell anmutet, bietet viel Flexibilität: Du könntest an diesem Grundriss einige Meter addieren oder subtrahieren – es würde sich nichts am Konzept ändern. Dieser Wohnungs-Grundriss funktioniert genauso gut als 5.5 Zi Wohnung, wie auch als 2.5 Zi Wohnung.

Das ist schlau:

  • Zusammengefasste Installationen im mittleren Block mit den zwei Bädern und der Küche erleichtern die Leitungsführung und machen alles um Einiges günstiger.
  • Grosszügige Wohnküche mit einem Essplatz und wenn gewünscht einem direkten Zugang zum Balkon.
  • Introvertiertes Wohnzimmer, wo du dich zurückziehen kannst, ohne dass es ’nur‘ ein Durchgangsraum ist.
  • Gang ist keine Sackgasse, denn er mündet ins Wohnzimmer und könnte sogar mit einem Fenster abgeschlossen werden.
Grundriss 5.5 Zi Wohnung; basierend auf den Wettbewerbs-Beitrag von Alioth Langlotz Stalder Buol Architekten für die Friedhofstrasse in Zürich.
  1. https://www.bpb.de/themen/kultur/digitale-spiele/504558/gamification-grundbegriffe-chancen-und-risiken/ ↩︎

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