Die Art wie eine Wohnung durch die Haustüre oder Wohnungstüre betreten wird, sagt viel über deren Architektur aus. Der Wohnungseingang ist das erste Gestaltungselement, mit welchem ein Gast physisch in Kontakt kommt – und du und alle Bewohner sogar mehrmals täglich. Ich habe schon anderswo bei der Oberflächen-Auswahl erwähnt, dass etwas in der Gestaltung hochwertiger und qualitativ besser sein muss, je mehr es physisch berührt und benutzt wird. Der Hauseingang ist also hier in der Hierarchie sehr weit oben. Gleichzeitig ist er von der Strasse her sichtbar und erhält so eine Art ‚Öffentlichkeit‘, was ihn als Gestaltungselement noch wichtiger macht.
Beim Gestalten von deiner Haustüre bzw. deinem Wohnungseingang / Hauseingang sind aus meiner persönlichen Sicht folgende Elemente am Wichtigsten:
- Adressierung
Der Hauseingang muss klar und unmissverständlich als solcher erkennbar sein, auch für Fremde - Würde
Der Eingang, die Haustüre und alle Elemente müssen eine der Nutzung angebrachte Würde entgegenbringen - Funktionalität und Gesetze
Es gibt verschiedenste Tipps & Tricks, die den Eingang im Alltag nutzbarer machen und Gesetzesvorgaben, die du einhalten musst
Adressierung schafft Klarheit
Der Hauseingang und die Haustüre müssen so gestaltet sein, dass sie klar als Solches erkennbar sind, und nicht etwa mit einer Kellertür oder der Velogarage verwechseln werden. Wieso? Einerseits ist es aus meiner Sicht einfach gute Sitte, fremden Besuch, Postboten und Kuriere nicht drei Mal ums Haus laufen und an Scheiben klopfen lassen, weil sie nicht sicher sind, wo es rein geht. Auch willst du keine Fremden um dein Haus schleichen haben, weil sie den Eingang nicht finden.
Andererseits ist dies der Ort, wo du Gäste empfängst, dich allenfalls mit Nachbaren austauschst und deine Kinder in die Schule verabschiedest (oder einem Date gute Nacht sagst). Es ist die Schwelle vom öffentlichen Leben in dein Privatleben. Nicht umsonst kommen in Filmen so oft Haustür-Szenen vor. Wichtige Dinge geschehen hier.
Die Haustüre ist die Schwelle vom öffentlichen- in den Privatleben
Zusätzlich gibt es noch einen Sicherheitsaspekt. Denn wenn der Hauseingang versteckt ist, kann auch ein Einbruch versteckt ausgeführt werden. Ist der Eingang hingegen zur Strassenseite hin, klar ersichtlich und beleuchtet – sieht das schon ein bisschen anders aus. Und seien wir ehrlich – wir alle kennen diese Hauseingänge bei Nacht im Halbdunkel… da will sich echt niemand aufhalten. Goodbye Gute-Nacht-Kuss Romantik!
Und wie kann man eine klare Adressierung gestalten?
- Eingang von der Hauptfassade her (oft Strassenseite) und nicht vom Hintergarten aus
- Ein von der öffentlichen Strasse klar erkennbarer Weg führt zum Eingang.
- Diskrete Beleuchtung von Weg und Eingang auch in der Nacht. Zum Beispiel mittels Bewegungsmelder
- Die Haustüre unterscheidet sich von anderen: ist oft überhoch, grösser, breiter und/oder hat ein seitlich verglastes Fenster.
Bitte nicht die Türe selber verglasen (ausser es führt in ein Treppenhaus), aber dazu später mehr - Der Eingang ist entweder zurückversetzt oder verfügt über ein Vordach
- Der Boden ist markiert durch einige Stufen (leider nicht hindernisfrei), einen veränderten Bodenbelag oder zumindest einen Schmutzschleusen-Teppich


Wichtigkeit verdient Würde
Es hat nicht nur mit der Adressierung zu tun, dass man den Eingang zu deinem stolzen Heim nicht mit einer Garagen- oder Kellertüre verwechseln soll. Der Eingang ist so wichtig, dass er Würde verdient. Wie schafft man das?
- Hierarchie
Klarer, zugeteilter Platz in der Fassade - Materialien
Wertige Türgriffe, allenfalls metallener Türschutz, Plastiktüren sind verboten! - …



Eingang unter einem Balkon? Lieber nicht
Vordächer sind fast zwingend, wenn der Eingang nicht in der Fassade zurückversetzt ist. Niemand sucht gerne den Hausschlüssel im strömenden Regen. Wieso also nicht gleich den Eingang unter dem Balkon und so das Vordach sparen? Insbesondere bei Mehrfamilienhäusern scheint sich diese Logik manchmal durchzusetzen. Meiner Meinung nach keine so gute Idee.
Einerseits fokussiert das Auge zuerst auf das auffällige Element ‚Balkon‘ und führt so zu einer unklaren und chaotischen Hierarchie in der Fassade. Andererseits fühlt sich der Eingang so immer ‚gedrückt‘ an und irgendwie eingequetscht.



Funktionalität
Es ist selbstverständlich, dass ein Hauseingang ein überaus funktional wichtiges Teil ist. Du belächelst das vielleicht, schliesslich geht eine Türe immer auf und zu, solange das Schloss funktioniert. Aber es gibt noch mehr zu beachten:
- Witterungsschutz
Kannst du deinen Schlüssel im Trockenen suchen? Das bedeutet, dass die Haustüre geschützt sein muss. Durch Einrücken, Ausrücken oder Vordach - Schmutzschleuse
Eingelegtes Gitter, Brossematte oder aufgelegter Teppich? - Beleuchtung
Nicht nur für die Adressierung, sondern auch ein Gestaltungselement - Glas ja oder nein?
In das Treppenhaus? Ja! Direkt in die Wohnung? Nein! - Brandschutz-Normen
…müssen selbstverständlich eingehalten werden
Witterungsschutz: Einrücken, Ausrücken oder Vordach?
Der Witterungsschutz ist grundsätzlich optional, aber definitiv ein Komfort für die Bewohner und Gäste. Früher gab es oft Windfang-Anbauten (wie auf dem ersten Bild), diese sind jedoch heutzutage selten noch anzutreffen. Aus Platzgründen wird oft ein Vordach gewählt. Ich finde, dass die Wahl ob Vordach oder Einrücken extrem abhängig ist vom Grundriss – weder das Eine noch das Andere ist schlechter oder besser.
Jedoch finde ich wichtig zu erwähnen, dass bei einem Einrücken das entstehende ‚Loch‘ nicht zu gross sein darf – sonst wird es zu einem komischen Zwischenraum. Und bei einem Vordach muss dieses (wers glaubt oder nicht) gestaltet werden! Auch ein Vordach ist Teil der Fassade und sehr repräsentativ, da direkt über dem Eingang. Ich könnte ein Fotoalbum füllen mit wirklich hässlichen Vordächern – meist eine ungelenk an der Fassade hängende Glas-Stahl-Konstruktion.
Die Gestaltung von Vordächern ist ein Dilemma!
Es ist leider ein Dilemma! Denn heutzutage darf man aus Ingenieur-Gründen (mehr zu diesem Thema ein anderes Mal) keine Vordächer mehr bauen, die nicht mindestens 20cm dick sind (ich übertreibe vielleicht, aber so kommt es mir vor), während sämtliche 8cm-dicken betonierten Vordächer aus den 30er Jahren noch halten…
Gleichzeitig ist es so schwierig, ein schönes Vordach nicht-massiv zu gestalten. Ich habe leider auch noch keine Lösung, ausser: mit dem Ingenieur verhandeln. Chromstahl-Armierung vorschlagen (die kommt mit weniger Überdeckung aus), das finden die Ingenieure sicher super 😉



Beleuchtung
Nicht nur für die Schlüsselfindung bei Nacht, sondern auch für Gäste, Postboten und Kuriere entscheidend: Ein Mindestmass an Beleuchtung. Mindestmass, weil du nicht zur nächtlichen Lichtverschmutzung beitragen musst, aber trotzdem einen Orientierungspunkt bieten solltest. Eine Empfehlung ist immer ein Bewegungsmelder. Dieser schaltet sich nur an, wenn jemand an der Türe ist. Ein Nachteil kann sein, dass dieser eventuell auch bei einer vorbeistreunenden Katze oder einem Fuchs eingeschaltet wird – aber das ist das Risiko. In meinen Augen ist ein gelegentliches-Einschalten besser als ein die-ganze-Nacht-strahlend-hell-Szenario.


Glas ja oder nein?
Hier habe ich eine klare Meinung. Wenn die Türe in ein Treppenhaus führt, darf/soll sie Glaseinsätze haben im Türblatt selber. Führt sie jedoch direkt in deine Wohnung, auf keinen Fall! Es darf natürlich ein Oberlicht geben über der Türe, oder ein verglastes Fenster neben der Türe, aber die Haustüre muss in meinen Augen immer opak sein. Du darfst natürlich anderer Meinung sein, feel free!




Welche Gesetze müssen bei einer Haustüre beachtet werden?
Es gibt drei wichtige Dinge, die gesetzlich beachtet werden müssen. Diese Vorgaben können in keinem Baugesetz nachgelesen werden, sondern in den Brandschutzvorschriften! Haustür-Breite, Öffnungsrichtung und Türgriff sind hier einzuhalten, damit die Haustüre im Notfall kein Hindernis ist.
Haustürbreite
Die Türbreite muss bei einer Treppenhaustüre, und der Wohnungstüre mindestens 90cm im Licht sein. Im Licht heisst, dass du bei der offenen Türe diese sogenannte ‚Durchgangsbreite‘ messen kannst. Die Rohe (gemauerte, betonierte etc.) Breite ist dann ca. 10cm mehr. Wenn du mehr über Türbreiten wissen willst, gibt es hier einen umfangreichen Artikel dazu.
Öffnungsrichtung
Die Öffnungsrichtung ist sehr wichtig. Wenn die Haustüre in ein Treppenhaus führt, muss sie zwingend nach aussen aufgehen. Denn Treppenhäuser sind Fluchtwege, und aus Fluchtwegen muss man direkt flüchten können. Das heisst, man kann die Türe einfach aufstossen und muss nicht nach dem Türgriff fummeln, auch wenn die Sicht schlecht ist.
Treppenhaustüren gegen aussen, Wohnungstüren gegen innen!
Diese Brandschutznorm zählt aber nur für Treppenhäuser. Bei einem Einfamilienhaus oder der Wohnungstüre im Treppenhaus gelten diese Brandschutz-Vorschriften nicht. Wohnungstüren gehen standardmässig tatsächlich gegen Innen auf! Der Hintergrund ist, dass die Böden von Treppenhäusern oft ca. 2-3cm höher geplant werden als die Wohnungsböden. Somit gibt es bei der Wohnungstüre eine kleine Türschwelle – womit die Wohnungstüre besser gegen das Treppenhaus schliessen kann (besserer Schallschutz, keine 1cm-Lichtstreifen unter der Türe).
Ausserdem geht man davon aus, dass keine 100 Personen in deiner Wohnung sind und in einem Notfall gleichzeitig flüchten müssten (Was im Treppenhaus von einem grossen Mehrfamilienhaus der Fall sein könnte). Also gelten hier ausser der Türbreite keine Anforderungen in Bezug auf Brandschutz. Wenn du ins Detail gehen möchtest, muss die Wohnungstür, sowie die Treppenhaustüre einen Brandschutzwert EI30 erreichen – aber das sollte der Türbauer definitiv wissen! EI30 heisst, dass das Bauteil (hier die Türe) mindestens 30 Minuten einem Brand standhalten muss, bevor sie nachgibt.
Türgriff
Dies ist auch eine Brandschutzvorschrift, welche nur eine Treppenhaustüre betrifft, und davon auch nur der Griff innen an der Türe (zum Treppenhaus). Der Hintergrund ist, dass bei normalen Türgriffen schnell mal ein Pullover, T-Shirt oder Jacke im Griff hängen bleiben kann. Im Notfall kann das natürlich verheerend sein. Deshalb müssen diese inneren Griffe abgebogen sein, in der Fachsprache heisst das ‚abgekröpft‘. Die Norm dazu ist DIN EN 279, aber die musst du nicht lesen. Du musst nur wissen, dass dieser Griff diese Norm erfüllen muss und entsprechend abgebogen aussehen muss. Übrigens findest du hier Beispiele für schöne Türgriffe #notsponsored, falls du auf der Suche bist.
Also noch eimal zusammengefasst:
- Haustürbreite mindestens 90cm im Licht (Durchgangsbreite)
- Öffnungsrichtung bei Treppenhäusern gegen aussen (Bei Wohnungen kann es gegen innen sein)
- Türgriff auf den Innenseite bei Treppenhäusern gemäss DIN EN 279, also abgebogen dass man nicht hängen bleibt. Bei Wohnungen ist es egal.
…dieser Artikel ist noch in Bearbeitung…