Balkone sind der spannende Übergang von Innen nach Aussen und der Ort, wo wir zuhause in unserem ’Safe space’ sein können, während wir zugleich Teil des Geschehens sind. Entsprechend ist die architektonische Gestaltung eines Balkons essentiell.
Im Gegensatz zu Terrassen (welche sich mit Grün des Gartens umgeben können), sind Balkone fast ausschliesslich ihrer baulichen Realität ausgeliefert. Klar kannst du mit Dekoration und Pflanzen viel aus einem Balkon herausholen, aber auch deine Einrichtungs-Skills werden bei einem schlecht gestalteten Balkon an ihre Grenzen kommen.
Damit dieser Ort der Entspannung und des gemeinsamen Beisammenseins gemütlich wird, sollten möglichst viele der folgenden Punkte zutreffen:
- Gute Grösse
Ein zu grosser oder zu kleiner Balkon ist schwer nutzbar. - Position im Grundriss
Von welchem Raum wird der Balkon erschlossen? - Balance von Rückzugsmöglichkeit & Übersicht
Du willst Privatsphäre, aber gleichzeitig einen Überblick über das Geschehen. - Sonnenschutz
Du wirst deinen Balkon nicht benutzen, wenn du darauf grilliert wirst.
Die ‚Gemütlichkeits-Kriterien‘ werden von den drei Balkon-Typen unterschiedlich gut erfüllt.

Typ A: Angehängter Balkon
Ein angehängter Balkon kann direkt ohne Stützen mit der Fassade verbunden sein, durch zwei Stützen abgestützt, oder selbstständig auf vier Stützen stehend.
Durch das Vorhandensein von Stützen entsteht ein visuell ‚abgeschlossener Raum‘ – was sich positiv auf das Balkon-Raumgefühl und die Gemütlichkeit auswirkt.


Typ B: Loggia
Die Loggia ist bei neueren Bauten sehr beliebt, da sich der Architekt nicht mit einem vorspringenden Gebäudeteil in der Fassade beschäftigen muss. Teilweise ist es auch baurechtlich nicht erlaubt. Trotzdem ist die bessere Lösung eine Loggia über Gebäudeeck, denn eine ganz eingeschobene Loggia (wie auf der Skizze) hat ein paar heftige Nachteile:
- Der dahinterliegende Raum bekommt erheblich weniger Licht.
- Durch die einseitige Öffnung kann keine angenehme Zugluft entstehen
- Man hat zwar genügend Rückzugsmöglichkeiten, aber ungenügend Übersicht.
- Bei einer schlechten Balkongestaltung fühlt man sich eingekerkert

Typ A+B: Eingeschobener Balkon
Der eingeschobene Balkon verbindet die Vorteile von Loggia und angehängtem Balkon. Durch das Einschieben in die Fassade gibt es einen stärkeren ‚Rücken‘ wo dich zurückziehen kannst, während du gleichzeitig einen guten Überblick behältst. Du kannst quasi wählen, wie sehr du dich exponieren möchtest.
Diese Art von Balkon hat nur einen technischen Nachteil: Die Fassaden-Abwicklung (Länge der Fassade) ist offensichtlich grösser, als bei einem rein angehängten Balkon. Dies bedeutet eine kompliziertere Konstruktion der Aussenwand mit mehr Ecken, mehr Anschlussdetails des Balkons an die Fassade, etc. Das soll dich jedoch nicht davon abhalten, diese Möglichkeit zumindest in Betracht zu ziehen.
Gute Balkon-Grösse
Die Grösse des Balkons ist wichtig, aber noch wichtiger sind dessen Proportionen. Ein kleiner, schmaler Balkon kann genauso schlecht genutzt werden wie ein grosser, schmaler Balkon. Du kannst womöglich mehr Dinge nach draussen stellen (einen Grill, einen Liegestuhl…), aber wirst du dich wirklich draussen aufhalten? Wahrscheinlich nicht.
Wie gross soll ein Balkon sein?
In der Schweiz gibt es keine gesetzlichen Vorgaben, wie gross ein Balkon sein muss. Wenn neu gebaut wird, ist die Empfehlung jedoch, dass ein Balkon mindestens 10m2 gross sein soll. Diese Fläche ist aber bei Weitem nicht immer möglich! Ich kann dich aber beruhigen: auch kleinere Balkone können gemütlich sein – wichtiger als die Grösse sind hier wie erwähnt die Proportionen. Die Tiefe des Balkons ist essentiell. Dadurch entscheidet sich, ob du einen Liegestuhl aufstellen kannst oder einen Tisch.
Hier findest du einige realistische Beispiele von Balkongrössen unter 10m2:



Tipp: Wie schon erwähnt kann ein tiefer Balkon je nach Grundstück oder örtlichen Gesetzen nicht in Frage kommen. Dies lässt jedoch noch die Möglichkeit einer Loggia oder eines eingeschobenen Balkons zu… wieso also nicht noch andere Optionen testen?
Position im Grundriss
Ein Balkon bedeutet immer eine Verminderung der Aufenthaltsqualität des Raums dahinter!
Der dahinterliegende Raum erhält automatisch weniger Sonnenlicht, wird zum Durchgangsraum und bekommt mit dem Geländer eine zusätzliche visuelle ‚Barriere‘ gegen aussen. Gleichzeitig wollen wir ja einen schönen, grosszügigen und gemütlichen Balkon. Wie also kannst du dieses Problem lösen?
Ein punktueller Balkon oder eine Eck-Loggia haben den Vorteil, dass die angrenzenden Räume wenig beinflusst werden.


Aber an welchem Raum soll der Balkon denn ‚angehängt‘ werden? Aus meiner Sicht ist der beste Raum hinter dem Balkon die Küche. Wieso?
- Du kannst Essen mit ein paar Schritten auf den Balkon tragen
- Falls du kleine Kinder hast können diese im Sommer auf dem Balkon mit Wasser spielen (denn die Küche ist ja auch ein Raum, der mal dreckig werden kann)
- Der Küche ist es egal, wenn es ein bisschen weniger Lichteinfall ist
- Die Küche ist der soziale Brennpunkt der Wohnung. Du wirst oft mit Gästen in der Küche ’stecken bleiben‘, und kannst dann den Balkon als Aussenraum gleich mit einschliessen.

Tipp: Apropos Ausrichtung im Grundriss: Ein Süd-Balkon ist nicht ungedingt besser als ein nach Norden ausgerichteter Balkon. Den Südbalkon wirst du im Sommer kaum nutzen können weil er so heiss ist, während ein Nordbalkon im heissen Sommermittag schön im Schatten ist.
Rückzugsmöglichkeiten & Übersicht
Wir haben ein natürliches Bedürfnis nach Privatsphäre, um uns nicht exponiert zu fühlen. Je nach Nachbarschaft ist dieses Bedürfnis ausgeprägter oder nicht! Gleichzeitig möchten wir einen Überblick um das Geschehen um uns herum, um uns nicht eingekerkert zu fühlen.
Rückzug und Überblick sind ein delikater Balance-Akt
Diese Balance zu finden ist gar nicht so einfach. Viel hat mit der Position und des Typs des Balkons zu tun (siehe Balkontypen oben), wobei der eingeschobene Balkon die aus meiner Sicht besten Voraussetzungen für gleichzeigen Rückzug und Übersicht bieten.


Feste Brüstung
Viel hat aber auch mit der Ausbildung der Brüstung (sprich: des Geländers) zu tun. Eine feste Brüstung bietet viel Privatsphäre, fühlt sich aber auch ein wenig an, als ob man in einer Beton-Badewanne sitzt…
Meine grösste Kritik: Sobald du auf einem niedrigen Sessel sitzt, im Liegestuhl liegst oder auf dem Boden mit deinen Kindern spielst, hast du keinen Bezug mehr nach Draussen.

Geländer mit Durchblick
Die bessere Option ist ein offenes Geländer, z.B. ein Staketengeländer aus Metall (wie in der Skizze). Es ist nicht komplett durchsichtig wie ein Glasgeländer, bietet aber auch wenn du auf dem Boden oder auf einem Stuhl sitzt einen Blick nach draussen.
Wenn du auf der Suche nach schönen Geländern bist, habe ich übrigens hier einen Beitrag für dich.
Ein theoretisch guter Zwischenweg ist eine feste Brüstung bis 75cm, und dann Staketengeländer bis auf die geforderten 1m zu verwenden. Das schwierige ist, dass diese Art von Balkon automatisch eine horizontale Gliederung in der Fassade verursacht. Was bei älteren Gebäuden kein Thema ist, denn da ist die Fassade auf vielen Ebenen gebliedert. Bei moderneren Gebäuden jedoch wird auf einen Grossteil der Gliederung verzichtet, und dieses horizontale Gestaltungselement sticht dann extrem heraus.
Was ist mit Glasgeländern? Aus meiner (ganz persönlichen) Sicht sind Glasgeländer auf Balkonen ein absolutes No-Go! Ein starkes Argument ist der Putz-Aufwand: Wenn die Glasscheiben nicht perfekt geputzt werden, wirst du beim kleinsten Sonnenstrahl sämtliche Putz-Striemen sehen.
Sonnenschutz
Eine Form von Sonnenschutz ist unseren heissen Sommern ein Muss und absolut unverzichtbar! Die Frage ist nur, welche Art von Sonnenschutz du möchtest.
Meist brauchst du auf dem Balkon keine blickdichten oder verdunkelnden Materialien (wie dies im Schlafzimmer der Fall ist), sondern kannst auf einen textilen Sonnenschutz mit Stoffstoren ausweichen. Hier gibt es jedoch eine Vielzahl von Optionen:
- Vertikalmarkise
- Aussellmarkise (oder Fallarmmarkise)
- Knickarmmarkise


Vertikalmarkise
Straight-forward und umkompliziert, wenn du aber vollen Sonnenschutz möchtest, hast du keinen Ausblick mehr (Bild rechts)

Ausstellmarkise
Die schönste aller Markisen, welche die Vorteile von einer Vertikal- und Knickarmmarkise verbindet. Du bekommst bei Bedarf vollen Schutz bei gleichzeitigem Ausblick

Knickarm-Markise
Bietet maximalen Ausblick, ist aber auch maximal klobig in ihrer Gestaltung…








