Während es in unseren Breitengraden (Schweiz, Deutschland, Österreich) sogar gesetzlich vorgeschrieben ist Räume zu dämmen wo sich Menschen aufhalten, ist Dämmung noch längst nicht in allen Ländern Gesetz.
Bewusst wurde mir das auf unserer letzten Portugal-Reise in Lissabon, wo die Häuser in der Altstadt in der Nacht (sau-)kalt werden! Auch in Neuseeland gibt es beispielsweise erst seit wenigen Jahren eine Vorschrift, dass man überhaupt ein Gebäude dämmen muss – obwohl es dort ja genauso kalt wird wie bei uns in Mitteleuropa.
Das hat mich veranlasst kurz über das Thema Dämmung nachzudenken. Wieso ist es nicht überall Vorschrift? Gibt es Gründe, die dagegen sprechen? Gibt es Orte, wo es mehr oder weniger Sinn macht? Und wenn ja- mit was dämmen und wie viel?
Wieso wir in der Schweiz dämmen (müssen)
In der Schweiz musst du mit dem Einreichen der Baubewilligung (hier übrigens eine Schritt-für-Schritt-Anleitung) beweisen, dass du dein geplantes Projekt ausreichend dämmst. Diesem Zweck dient das sogenannte ‚Energienachweis‘-Formular, welches durch einen qualifizierten Bauphysiker oder Bauphysikerin ausgefüllt werden musst – leider also nix mit DIY an diesem Punkt!
Die Behörden müssen hier streng sein: Denn eine fehlerhaft ausgeführte oder ungenügende Dämmung kann zum Beispiel bedeuten, dass der Wohnraum zu schimmeln anfängt, wenn der Taupunkt falsch liegt (später mehr dazu). Dieses Problem kann nur mit grösstmöglichem Aufwand behoben werden, und sogar dazu führen, dass die ganze Fassade neu gemacht werden muss. Von vermieten oder bewohnen kann sowieso nicht mehr die Rede sein.
Der offensichtliche Grund: Warme Räume im Winter und kühle Räume im Sommer
Der andere Grund ist der Offensichtliche: Damit deine Räume im Winter warm sind um im Sommer kühl. Dämmung agiert nicht nur als ‚Puffer‘, der die kalte Aussenluft oder die Sommerhitze vom Innenraum abhält. Einer seiner Hauptzwecke ist zur Trägheit der Temperaturunterschiede beizusteuern, zur sogenannten ‚Phasenverschiebung‘. Simpel gesagt bedeutet das, dass im Hochsommer die Sonne mittags mit 40 Grad auf deine Fassade knallt – diese Wärme aber erst Stunden später – sagen wir in der Nacht – ins Rauminnere gelangt. Cool oder? Die drei Hauptgründe sind also:
- Verhindern von Bauschäden (Schimmel)
- Temperatur-Regulation
- Ökologische Bilanz verbessern
Im Energienachweis wird ausgewiesen, welche Bauteile in welchem Aufbau in Boden und Wänden verwendet werden. Es werden kritische Stellen auf Wärmebrücken überprüft und sichergestellt, dass der Aufbau die gesetzlich vorgeschriebenen Werte nicht unterschreitet. Wie erwähnt wird der Energienachweis von Bauphysiker*innen gerechnet und unterschrieben. Der Energienachweis ist in der Schweiz Teil der Baueingabe.
Wieso Dämmen sonst noch sexy ist
Es gibt natürlich noch weitere Gründe, wieso Dämmen sowieso sinnvoll ist und es sich – zumindest in meinen Augen – lohnt, über den gesetzlichen Pflichtteil hinaus noch ein oder zwei Gedanken darauf zu verwenden, wieso wir das überhaupt machen (müssen):
- Dämmung ist krisensicher
Länger anhaltende Stromausfälle sind selten – aber was die Situation in Berlin kürzlich gezeigt hat – nicht undenkbar. Während Heizungen ausfallen und das elektrische System versagt, werden die Temperaturen in gedämmten Räumen auch im kalten Winter nicht so schnell unter Null Grad fallen. Genauso bleibt ein gedämmtes Haus auch im Hochsommer ohne aktive Klimaanlage kühl. - Keine Reparaturen
Dämmung ist typischerweise ein Bauteil, welches – einmal korrekt verbaut – keinerlei Pflege oder Reparatur benötigt. Während Holzfassaden gestrichen werden wollen, oder Inneputze abblättern – die Dämmung ist von innen und aussen geschützt. - Günstiges Material
Für den Nutzen und den Komfort, den Dämmung unseren Wohnräumen bringt, ist es am gesamten Baubudget gerechnet ein relativ günstiger Teil. Hier ist entsprechend also der falsche Ort, um zu sparen - Nachhaltige Optionen verfügbar
A propos Sparen: Ich habe ein Hühnchen zu rupfen mit der gängigen EPS-(Plasktik) Dämmung, bzw. der sogenannten Standard-Aussendämmung. Diese ist aus erdölbasiertem Kunststoff. Wieso genau verbauen wir zukünftigen Sondermüll in Gebäuden, welche zumindest theoretisch hunderte Jahre halten sollten? ..ist mir nicht ganz klar, insbesondere da es bessere Alternativen aus Nicht-Kunststoffen gibt.
Wie viel muss man dämmen?
Ja, wieviel musst du denn jetzt dämmen? Das sagt dir natürlich abschliessend der Bauphysiker, aber wenn du eine grobe Ahnung haben möchtest, kannst du Gebrauch machen von der überaus nützlichen (und für deine Zwecke kostenlosen) Plattform Ubaskus.de #notsponsored. Es ist ein U-Wert-Rechner, wo du deinen Wandaufbau eingeben kannst und sofort siehst, ob dieser problematisch ist oder wie gut die Werte sind.
Pro-Tipp: Kostenloser U-rechner
Du nutzt das Tool ganz einfach, indem du in der linken Menu-Leiste unter ‚Eingabe‘ deinen Wandaufbau eingibst. Auch in der kostenlosen Demo-Version hast du genügend Auswahl von Materialien. Du musst nur einen Account erstellen, wenn du sehr spezifische Materialien testen willst.
- Wandaufbau eingeben
- Taupunkt checken (keine ‚Wassertropfen)
- U-Wert checken (grün gut, rot schlecht)


Die drei Dämmsysteme
Aussendämmung, Innendämmung oder eine All-in-one-Lösung? In den allermeisten Fällen arbeitet man bei Wohngebäuden mit Aussendämmungen. Das heisst, dass auf der Wohnungs-zugewandten Seite die Konstruktionsschicht ist, z.B. in Form einer statisch tragenden Backstein- oder Betonwand. Darauf wird auf der Aussenseite die Dämmschicht aufgesetzt – welche statisch nicht relevant ist.
Aussendämmung
Standard, meist verbreitet und güngstigste Option. Tragschicht und Dämmschicht sind unabhängig voneinander.
-> Dämmung kann bei Bedarf ausgetauscht werden

Innendämmung
Wird selten angewendet. Wenn, dann meist wenn aussen Sichtbeton gewünscht ist.
-> Geschossdecken müssen aufgehängt werden um Wärmebrücken zu vermeiden.

All-in-One
Die Tragschicht ist hier zugleich Dämmschicht – es ist keine zusätzliche Dämmung nötig. Einsteinmauerwerk, Vollholz, oder Stampflehm.
-> Anschlussdetails sind teilweise komplizierter.

Einsteinmauerwerk: Das in Deutschland schon seit Jahrzehnten bewährte und getestete All-in-One System kommt nur langsam in der Schweiz an. Persönlich konnte ich schon mehrere Projekte mit diesem System – in der Schweiz – begleiten und bin absoluter Fan. Das System ist simpel, kommt zumindest ob-Terrain ohne Plastik aus (es sind tatsächlich nur richtig grosse Backsteine – die Luft in den Poren übernimmt die Dämmung) und es gibt immer mehr Standard-Anschlussdetails. Wenn dies eine Option für dich ist: Lass dir von den verschiedenen Herstellern der Schweiz (z.B. Kubrix #notsponsored) eine Offerte machen.
Welches ist die richtige Dämmung?
dieser Abschnitt wird gerade überarbeitet…
Mineralische Dämmung
Zur Herstellung von mineralischer Dämmung werden die Rohstoffe (Stein, Glas) bei hoher Temparatur eingeschmolzen und zu Fasern gesponnen. Sie ist nicht brennbar und kann gute Dämmwerte vorweisen.
Der grösste Nachteil ist die schiere Menge an grauer Energie, die in die Produktion fliesst. Ausserdem muss (zumindest bei Glaswolle) bei der Verarbeitung Schutzkleidung getragen werden, weil der Umgang mit den Glasfasern gesundheitsschädigend ist (Hautirrition, Einatmen etc.)
- Steinwolle
- Glaswolle

Holzdämmung
Bei Holzdämmung kann man primär drei Arten unterscheiden: Es gibt Systeme, wo Massivholz als Dämmmaterial agiert (und gleichzeitig auch Tragschicht ist), sogenannte Vollholz-Systeme. Dann gibt es die Methode, wo das Dämmaterial wieder unabhängig vom Tragsystem funktioniert, die sogenannte Zwischensparren-Dämmung. Zuletzt gibt es noch das ‚Ausflocken‘.
- Massivholz (Tragschicht = Dämmschicht)
- Holzwoll-Platten
- Ausflockung
Massivholz
‚Holz-Pur‘ ist z.B. ein Produkt des Obwaldner Holzbau-Unternehmens Küng Holzbau #notsponsored, wobei quasi die ganze Fassade von aussen bis innen nur aus Holz besteht. Andere Unternehmen bieten ähnliche Produkte an.
Zwischensparren-Dämmung
Die verbreiterte (und sehr alte) Methode bewährt sich auch im modernen Holzbau.
Ausflockung
Ausflocken ist ehrlich gesagt eher eine Technik als ein Material. Denn ausgeflockt werden kann genauso gut mit mineralischer Dämmung, Holzwolle oder Cellulose (Papier). Dabei wird eine bestehende ‚Schalung‘ gebaut, und durch eine Öffnung die Dämmung ‚eingeblasen‘.
Organische Dämmung
- Schafwolle (für kleinere Projekte)
Kunststoff-Dämmung
EPS ist eine Dämmung auf erdölbasierter Kunststoff. Du kennst es vielleicht unter dem Begriff ‚Styropor‘ besser.
- EPS
Unter Terrain / Perimterdämmung
Für Bauteile unter der Erde (und bis und mit ca. 25cm über der Erde wegen Staunässe und Spritzschutz) darf die Dämmung nicht verrotbar sein, und muss einem gewissen Druck standhalten.
Perimeterdämmung kommt in den allermeisten Fällen als Aussendämmung direkt nach der Abdichtung auf die Betonwand, und ist (z.B. im Fall von XPS) ca. 10cm dick. Deine Optionen für Perimeterdämmungen sind:
- Druckfeste Glaswolle oder Mineralische Dämmung
- XPS

Es gibt meines Wissens keine Alternative zu Plastik-Dämmung für Untergeschosse.
Ich weiss, dass ich nichts weiss: Mein Wissenshorizont für Dämmungen ist (leider aus mangelndem Interesse für die allzu technische und nicht-gestaltbare Seite der Bauphysik) sehr beschränkt! Hast du Hinweise oder Inputs? Email auf architektieren(at)gmail.com
Gibt es eine Dämmung der Zukunft?
Das Argument bezüglich Nachhaltigkeit der Dämmungen ist immer das Gleiche: Das der Zweck die Mittel heiligt – bzw. dass der Nutzen (energetisch super Dämmeigenschaften) das bisschen Plastik und Erdöl allemal wettmachen. Ganz ehrlich: ich weiss nicht, ob dies Zahlen bestätigen. Es kann sogar sein, dass es in irgendeiner Öko-Bilanz Rechnung Sinn macht, ein biologisch nicht-abbaubares Produkt zu verwenden, wenn dafür Jahrzehntelang ohne Wärmeverlust geheizt werden kann. Ich weiss es – wie gesagt – schlicht nicht.
Was ich weis ist, dass es falsch ist, diese Produkte unausbau-bar zu verbauen. Ich habe bei einem vergangengen Projekt zugeschaut, wie sie auf der Baustelle XPS ausgelegt haben für unter der Beton-Fundament-Platte! Das Haus ist quasi auf Plastik gebaut – das fühlt sich sehr, sehr falsch an.
Niemand weiss, was mit der Plastik-Dämmung in 100 Jahren passiert. Und sie ist teilweise unter den Betonplatten!
Mein Architekten-Gewissen sagt mir, dass es verwerflich ist Materialien zu verbauen von denen man weiss, dass sie später als Sondermüll entsorgt werden müssen (XPS, EPS), die mit enormer grauer Energie hergestellt werden (Glaswolle), oder von denen man keine Ahnung hat, wie sie sich über Jahrzehnte und hunderte von Jahren verhalten. Selber bin ich leider auch schuldig, arbeite ich doch auch jetzt im Büro an Projekten, wo genau diese Materialien verbaut werden. Ich habe aktuell keine bessere Lösung, die man Bauherrschaften verkaufen kann.
XPS und EPS: Ein fast nicht wegzukriegender Graus!
Kleiner persönlicher Frust hier: Wenn wir von nachhaltigem Bauen sprechen, denken wir z.B. an Holzbau. Aber wir Romantiker ziehen vor zu ignorieren, dass auch ein Holzbau unter Terrain mit Plastik-XPS und im Sockelbereich mit ebenfalls Plastik-EPS gedämmt ist. Es gibt meines Wissens keine biologische Alternative zu Plastik-Dämmung für Untergeschosse. Weisst du etwas? Schreib mir liebend gerne an architektieren(at)gmail.com
Entscheidungen, die du zum Thema Dämmen treffen musst
Ob du dämmen willst oder nicht, kannst du hierzulande (zumindest in der Schweiz) nicht enscheiden. Aber es gibt trotzdem eine kurze Entscheidungskette, die du bei deinem Projekt mitbestimmen musst oder kannst.
- Dämmsystem
Aussen- Innendämmung oder All-in-One? Persönlich bin ich absolut Fan vom All-In-One System Einsteinmauerwerk. Es ist bewährt und führt zu sauberen Ergebnissen. Wenn das keine Option für dich ist: klassiche Aussendämmung. - Dämm-Material
Auch wenn es eine Pain-in-the-a** ist, mit Bauleitern, Architekten 🙂 und Unternehmern zu verhandeln: Setze dich dafür ein, dass man einen Fokus auf Nachhaltigere Baumaterialien setzt. Sollen sie doch einen Vorschlag machen! Oder wenn du selber entscheidest: Ist Einsteinmauerwerk eine Option? Holzbau mit Holzwolle? Bei kleinen Bauten: Schafwolle? - Dämm-Stärke
Das übernimmt glücklicherweise der Bauphysiker für dich! Wenn du deinen Aufbau im Vorfeld testen willst, kannst du das mit dem kostenlosen U-Wert Rechner ubaskus.de #notsponsored tun