Bauphasen-Ablauf und deine Rolle als Bauherrschaft kurz und spritzig erklärt

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Wie bei allem gibt es auch zu den Bauphasen eine Norm (SIA 112 lässt grüssen), welche exakt festlegt, wie ein Bauprojekt in der Schweiz abläuft. Nur: die hilft dir als Bauherrschaft kaum weiter, denn sie ist für die Planungsseite geschrieben, nicht für dich. Hier kommt die Übersetzung: die wichtigsten Bauphasen, was wann passiert und was deine Rolle als Bauherr:in dabei ist.

Bauprozess Schweiz Bauphasen

Zuhause: Bedürfnisse herausfinden und Erstgespräch mit Architekt:in vorbereiten

Noch am Wohnzimmertisch entscheidest du für dich alleine oder mit Familie bzw. den anderen am Bau beteiligten Personen, was eure Ziele sind, was euch gefällt und was ihr euch überschlagsmässig leisten könnt.

In diesem Schritt kannst du mit Hilfe verschiedener Methoden deine Bedürfnisse herausfinden, verfeinern und aufschreiben. Es ist wichtig, dass du das vor dem ersten Besuch beim Architekten machst, denn sonst werden die ersten Sitzungen dort darauf ver(sch)wendet, dass der Architekt versucht deine Gedanken zu lesen und dir deine Bedürfnisse aus der Nase zieht. Das geht entspannter zuhause.

Das Resultat ist eine Vorbereitungs-Mappe mit Listen, Mindmaps, Text, Bildern und Zahlen. Damit kannst du dich auf die Suche nach einer Architektin oder einem Architekten machen, sodass diese nach einem sympathischen Erstgespräch sofort loslegen können. Was in so einer Mappe sein soll, kannst du hier ausführlich nachlesen, aber es lässt sich in diesen Punkten zusammenfassen:

  • Was sind meine Ziele?
  • Was kann ich mir leisten? Möchte ich selber Hand anlegen?
  • Was gefällt mir?
  • Welche Unterlagen brauche ich? (Grundbuchauszug, Fotos/Bilder)
  • Welche Fragen habe ich?

Ziel: Umfassende Vorbereitung für das Erstgespräch mit einem Architekten

Deine Rolle: Genauestes Auseinandersetzen mit deinen Zielen und Bedürfnissen; Zusammenstellen der Vorbereitungs-Mappe

Weiterführende Artikel:
– Methoden, um deine Bedürfnisse herauszufinden
– Checkliste für dein erstes Architektengespräch
– Wie finde ich den richten Architekten?
– In 3 Minuten deine Hausbau Kosten berechnen

Bei der Architektin: Experimentieren und ausprobieren (Studien)

Mithilfe deiner Vorbereitungs-Mappe kann der Architekt einige schnelle Studien durchführen. Dafür analysiert er (zusätzlich zu deinen Vorgaben und Wünschen) lokale und regionale Baugesetze.

Bei einer Studie (oder auch Machbarkeitsstudie) wird noch kein ‚genauer‘ Grundriss gezeichnet, sondern verschiedene Szenarien ausprobiert: Zwei Wohnungen und eine Einlegerwohnung für die Grossmutter? Doch lieber zwei Hausteile, und eines davon wird verkauft? Oder einmal 4.5-Zi Wohnung und einmal 3.5-Zi Wohnung? Vielleicht auch unterschiedliche Grundrisskonzepte?

Bei einer Studie werden verschiedene Szenarien ausprobiert, getestet und kostengeschätzt

Es darf wild experimentiert werden, und pro untersuchtes Szenario wird dir die Architektin einige A4-Blätter mit groben Plänen oder Skizzen, Volumenstudien oder vielleicht sogar Bildern präsentieren. Für eine bessere Vergleichbarkeit macht der Architekt zu jedem Szenario eine (sehr) ungefähre Kostenschätzung.

Was ist der Unterschied zwischen einer Studie und einem Vorprojekt?
Beim Vorprojekt wird nur ein Szenario untersucht und vertieft. Klar kannst du auch mehrere Vorprojekt-Versionen in Auftrag geben, jedoch ist dies viel teurer als die vergleichbar schnellen und günstigeren Studien.

Ziel: Durch Ausprobieren das beste Szenario für deine Bedürfnisse und finanziellen Mittel finden.

Deine Rolle: Während dem Studien-Prozess wird es mehrere Sitzungen mit dem Architekten geben, wo dein Feedback zu seinen Vorschlägen gefragt ist. Ziel der Studien ist, das beste Szenario für deine Bedürfnisse und finanziellen Mittel zu finden.

Weiterführende Artikel:
– Wann braucht es eine Machbarkeitsstudie?

Das beste Szenario wird vertieft (Vorprojekt)

Das Vorprojekt ist das, was wohl die meisten Leute kennen: Grundrisse, Schnitte und Fassaden werden von der Architekt:in gezeichnet, und zwar so, wie es zum Schluss auch gebaut wird.

Dabei werden Raumgrössen bestimmt, Türen positioniert und Fenster in die Fassade gesetzt. Die entstandenen Pläne sind zwar massgenau, aber weisen noch nicht auf alle Details hin (z.B. die Wandkonstruktion). Im Plan sind alle Wände als schwarze Rechtecke, und Türen als weisse Rechtecke dargestellt.

Zusätzlich werden in diesem Schritt langsam die konkreten Kosten ermittelt. Dafür schlägt die Architekt:in ein Materialkonzept vor, welches mit deinen Wünschen und Inputs ergänzt und abgeändert wird. Lass dich unbedingt von der Architekt:in eingehend zu den Optionen informieren und beraten!

Das Materialkonzept beinhaltet unter anderem:

  • Sind die Böden Parkett, Fliesen, fugenlose Böden oder etwas anderes, z.B. Linoleum? Das genaue Produkt muss dabei noch nicht spezifiziert werden.
  • Wände und Decken klassisch mit Abrieb, oder lieber Sumpfkalk oder eine andere Oberfläche?
  • Innentüren: Stahlzargen oder besser Holz? Stahlzargen sind günstiger, mit Holz kannst du aber mehr machen, z.B. wandbündige Türen.
  • Welche Oberflächen gibt es im Bad?
    Hier lohnt sich schon der erste Besuch in einer Ausstellung für Inspiration.
  • Welche Wünsche hast du für die Küche?
    Auch hier kann sich ein erster Ausstellungsbesuch lohnen.
  • …

Ziel: Grundriss, Schnitt und Fassaden vertieft zeichnen und verfeinern, bis sie für dich perfekt passen.

Deine Rolle: Feedback über mehrere Sitzungen und Überarbeitungs-Runden geben. Küchenplaner? Sanitärplaner? Ausstellungen?

Weiterführende Artikel:
– Wie gross sind Räume?
– Was ist ein guter Grundriss?
– Küche planen
– Bad planen
– Badgrösse & Mindestmasse

Vorbereitung auf die Baubewilligung und Kostenvoranschlag (Bauprojekt)

In diesem Schritt werden alle Unterlagen für die Baubewilligung vorbereitet. Das übernimmt die Architekt:in. Hierfür wird sie punktuell Fachplaner wie einen Bauphysiker, Bauingenieur, Sanitär- und Elektroplaner hinzuziehen. Mit deren Hilfe wird die technische Planung des Gebäudes einen Schritt detaillierter geplant – so wird jetzt z.B. die Fassadenkonstruktion abschliessend bestimmt.

Zusätzlich werden mit Hilfe der Fachplaner die genauen Kosten kalkuliert. Was kostet die geplante Heizung, wie viele Kubik Backsteine braucht es, welches Budget gibt es für die Oberflächen? Das Resultat ist ein Kostenvoranschlag (KV) mit einer Genauigkeit von ±10%. Das heisst, dass die Kosten des fertigen Projekts um 10% davon abweichen dürfen.

Nachdem du die Baubewilligungs-Unterlagen unterzeichnet hast und alles bei der Gemeinde eingegeben wurde, gilt es zu warten und zu hoffen, dass es keine Einsprachen gibt. Danach kannst du loslegen!

Ziel: Erteilung der Baubewilligung und genaue Kostenangaben

Deine Rolle: Baubewilligungs-Formulare unterzeichnen, gemeinsame Ausarbeitung des Materialkonzepts mit den Architekten für den Kostenvoranschlag

Weiterführende Artikel:
– Baubewilligung einholen Schritt für Schritt erklärt

Unternehmen suchen und Aufträge vergeben (Ausschreibung)

Für den Kostenvoranschlag hast du im Vor- bzw. Bauprojekt schon sämtliche Materialien vorausgewählt. Jetzt wird es noch konkreter. Das heisst, jetzt musst du nicht nur wissen, dass du Parkett möchtest, sondern auch welche Holzart, welche Verlegeart, welche Oberfläche etc. Dafür kannst du die Architektin fragen, oder direkt bei einem Parkett-Hersteller / Aussteller anfragen.

Zusätzlich sind die Grundriss-Pläne fixiert. Mit dieser Basis kann das Planungsteam damit beginnen, Arbeiten auszuschreiben. Das heisst, dass ein Beschrieb der Arbeiten an mehrere (mindestens drei) Unternehmer geschickt wird, welche eine Offerte machen. Der Architekt vergleicht die Angebote und stellt dir diese vor, inklusive einer Empfehlung von ihm. Du als Bauherr:in entscheidest dann, welches Unternehmen du möchtest.

Ziel: Für alle Arbeiten werden geeignete Unternehmen gesucht, Verträge aufgesetzt und unterzeichnet

Deine Rolle: Bei Bedarf: Vorschläge für Unternehmen angeben. Aufträge vergeben, Verträge unterzeichnen

Weiterführende Artikel:
– Offerten einholen und mit Unternehmern verhandeln

Jetzt wird gebaut! (Ausführung)

Interessanterweise hast du während der Bauzeit im Idealfall fast nichts mehr zu tun. Du darfst auf die Baustelle gehen und dir den Prozess anschauen – musst aber nicht. Das übernimmt die Bauleitung, deren Aufgabe es ist, die gesamte Koordination auf der Baustelle zu übernehmen und sicherzustellen, dass alle Handwerker zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle anrücken.

Rechne trotzdem mit Nachfragen zu Details (wie der Öffnungsrichtung der Waschmaschine), oder wenn Fragen vom Unternehmer direkt kommen, die der Architekt an dich weiterleiten will.

Ziel: Dein Traum wird gebaute Realität. Im vorgegebenen Zeit- und Kostenrahmen!

Deine Rolle: Freiwillig: Dir ein Bild machen vom laufenden Prozess

Deine Vorbereitung bestimmt, wie viel von deinen Wünschen du umsetzen kannst.

Die Entscheide, die du als Bauherr:in während einem Bauprojekt und in den verschiedenen Bauphasen treffen musst, sind gelinde gesagt zahlreich! Eine exzellente Architektin wird dich durch alle Schritte und Entscheide führen. Trotzdem wird es dir helfen, wenn du dich auch selbstständig vorbereitest, insbesondere wenn es um die allererste Bedürfnis-Erfassung von dir geht.

Denn die Oberfläche eines Parketts kann noch während dem Rohbau – bis kurz vor Anrücken des Parkettlegers – geändert werden, die Grösse deines Wohnzimmers jedoch nicht.

Deshalb: Bitte bitte nimm dir einige Stunden Zeit, dich genau mit dem auseinanderzusetzen, was für dich wichtig ist. Diese wichtigen Dinge zu kommunizieren wird dem Architekten ungemein helfen, deine Wünsche in gebaute Realität zu verwandeln, sodass du dich die nächsten 20 oder 30 Jahre jeden Tag an deinem neuen Zuhause erfreuen kannst.