Wieso Nachhaltiges Bauen in der Schweiz ignoriert wird

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Hochglanzmagazine präsentieren eine Schweiz, wo nachhaltig gebaut wird, und wo sich alle Welt dafür interessiert, dass sich jetzt die Baubranche verändert, und zwar zum Guten. In der Realität und im Alltag der Baubranche sieht das jedoch anders aus. Echtes nachhaltiges Bauen ist in der Schweiz noch viel zu wenig angekommen.

Woran liegt das? Einerseits ist die Lösung der Hochglanzmagazine (und deren Sponsoren): Mehr Technik! Dass das aber gerade nicht die Lösung ist, beweist der deutsche Architekt und Professor Florian Nagler in seinen Forschungen zum Thema ‚Einfach Bauen‘: Haustechnik hat einen verschwindend kleinen Einfluss auf die Energieeffizienz eines Gebäudes.

Wenn also nicht Technik, was dann? Kann man nicht einfach bessere Materialien verwenden, und diese so verbauen, sodass wenig Graue Energie genutzt wird und das Gebäude – sobald es steht – auch energieesparend läuft? So einfach ist es nicht, und in den folgenden Punkten versuche ich zu erläutern, wo genau die Idee auf Widerstand stösst:

Gründe, weshalb Nachhaltiges Bauen in der Schweiz auf Widerstand stösst:

  • Problem 1: Bauherrschaften wollen, aber Planer und Unternehmer nicht
  • Problem 2: Unternehmer und Fachplaner wehren sich aktiv
  • Problem 3: Denken ist teuer
  • Problem 4: Niemand verdient Geld dabei
  • Problem 5: Niemand fühlt sich Verantwortlich
  • Problem 6: Angehende Architekt:innen lernen nicht, nachhaltig zu planen

‚Nachhaltig‘ ist ein Begriff, welcher durch Greenwashing verschiedenster Unternehmer leider schon ziemlich ausgelutscht ist. Sogar der Zement-Hersteller Holcim wirbt damit, wie „nachhaltig“ Beton mittlerweile ist – ein Witz! Wenn ich also von Nachhaltigkeit beim Bauen rede, meine ich drei verschiedene Faktoren:

Material

  • Eine Holzkonstruktion ist nachhaltiger als eine Betonkonstruktion, weil das Material selber erneuerbar ist.
  • Genauso ist eine organische Dämmung ’nachhaltiger‘ als eine anorganische Dämmung*.
  • Wie gut können Materialien repariert und wiederverwendet werden?

Investierte Energie

  • Wieviel Energie soll und darf überhaupt in ein neues Projekt investiert werden?
  • Wo und wie kann die Arbeits,- Planungs- und Graue Energie + Finanzielle Investitionen gezielt eingesetzt werden, um zum Wunschresultat zu kommen?
  • Macht es allenfalls Sinn, den Bestand zu erhalten, umzubauen, zu sanieren anstatt einen Neubau zu planen?

Zukünftiges Potential

  • Wie können das Gebäude und deren Räume anders als ursprünglich bezweckt genutzt werden?
  • Inwiefern können Bauteile rezykliert werden, sollte das Gebäude abgerissen werden?

*Zu organischen Dämmungen welche nachwachsen gehören Holzwolle, Schafwolle, und Cellulose (Papierschnipsel). Anorganische Dämmungen sind hingegen Materialien wie EPS (Styropor), XPS (Styropor, aber dichter), Glas- und Steinwolle. Glas- und Steinwolle sind zwar natürliche Materialien, werden aber unter hohen Schmelztemperaturen hergestellt. Hier siehst du übrigens einen schönen Vergleich aller Dämmungen und alle Hinweise zu Dämmen, wie viel du Dämmen musst und wieso überhaupt…

Problem 1: Bauherrschaften wollen, aber Planer und Unternehmer nicht

Es liegt nicht an den Bauherrschaften. Grosse Wohnträger wie Genossenschaften – oder auch zum Teil Immobilienunternehmen – setzen neu oft hohe Standards, was Nachhaltigkeit angeht. Insbesondere aber möchten private Bauherrschaften nachhaltig bauen. Das Thema wird spürbar immer wichtiger.

Private Bauherrschaften möchten nachhaltig bauen – werden aber alleine gelassen

Mit diesem Wunsch werden Bauherrschaften jedoch alleine gelassen. Architekt*innen und Planer*innen wissen oft nicht wie – und nach welchen Standards – und möchten nicht die Arbeitsstunden aufwenden, im sich tiefer mit dem Thema auseinanderzusetzen. Der einfachere Weg ist da, sich an Normen zu halten (sprich: Passivhaus, Minergie-Standards etc.). Aber diese werden wiederum mit Haustechnik umgesetzt, und gerade haben wir klargestellt, dass das in vielen Fällen viel zu wenig bringt, für das was investiert wird.

Lösung: Klare Kommunikation zu Beginn!
Oft werden Planer oder Unternehmer während dem Bauprozess vom Wunsch des nachhaltigen Bauens überrascht. Oder die Bauherrschaft ist auf ein interessantes Material gestossen, welches sie noch implementieren wollen. Oder die Architektin hatte plötzlich eine Eingebung, wie etwas noch effizienter ausgeführt werden könnte.
–> Kein Planer oder Unternehmer hat Lust auf plötzliche Planänderungen. Dies wirft den Terminplan über den Haufen, könnte Überstunden generieren, oder benötigt zusätzliche Abklärungen. Deshalb muss der dringende Wunsch nach echtem nachhaltigem Bauen bei der ersten Sitzung platziert werden (bzw. im Rahmen der Ausschreibung, wenn es eine gibt!!), inklusive dem Wunsch, dass alle Planer und Unternehmer AKTIV nach besseren und kreativen Lösungen suchen, um das Ziel zu erreichen.

Problem 2: Unternehmer und Fachplaner wehren sich aktiv

Es kann gut sein, dass deine Ausschreibung oder dein Wunsch nach extra nachhaltigem Bauen bei Planer und Unternehmern auf taube Ohren stösst. Vielleicht haben sie keine Zeit, kreative Lösungen auszutüfteln, ihnen fehlt das Knowhow, oder sie fürchten sich vor dem Risiko, dass etwas nur zu 99.7% den Normen entsprechen könnte anstatt 100%.

Viele Planer wollen lieber eine Lösung aus der Schublade ziehen, anstatt nach Alternativen zu suchen.

Oft habe ich aber das Gefühl, dass sie einfach lieber eine schon-hundert-mal-gebaute Lösung aus der Schublade ziehen möchten. Denn das ist am schnellsten, und benötigt keinerlei zusätzliche Anstrengung. Eigentlich verstehe ich das ganz gut – schliesslich ist es eine natürliche Eigenart des Menschen, eine Aufgabe möglichst effizient auszuführen zu wollen. Und sie haben schliesslich ein Business zu führen, keine Forschungsarbeit.

Es gibt jedoch immer wieder Planer und Unternehmer, welche selber proaktiv nach Lösungen suchen und in der Herausforderung aufgehen, noch bessere Alternativen zu testen. Das sind die Planer und Unternehmer, die du willst! Deshalb musst du es schon so früh im Prozess sagen, dass nachhaltiges Bauen eine hohe Priorität für dich hat – denn so kannst du die nicht-Interessierten aussieben, und die Motivierten in dein Team holen.

Lösung: Planer- und Unternehmerteam sehr sorgfältig auswählen!
Augen auf bei der Planer- und Unternehmer-Wahl! (Und Architekten auch, natürlich! ;-D Hier mehr dazu!) Es lohnt sich, im ersten Gespräch (oder z.B. dem Vergabegespräch – wo die Offerte besprochen und allenfalls angepasst wird) alle Karten auf den Tisch zu legen, und zu ’spüren‘, ob das Gegenüber offen ist, nach besseren Lösungen als den allgemeingültigen Standard zu suchen.
–> Die Schlüsselperson ist der für dein Projekt zuständige Projektleiter. Oder Projektleiterin. Diese soll anwesend sein am Vergabe- oder Erstgespräch.
–> Mit unmotivierten Planern musst du alle Arbeit machen, und gegen den Strom schwimmen. Motivierte (und für Alternative Möglichkeiten offene) Planer helfen dir, das Projekt besser zu machen als du es selber könntest. Dabei ist die Person wichtiger als die Firma, oder der Offertenpreis.

Problem 3: Denken ist teuer

Das ist ein bisschen zynisch formuliert, aber trifft die Hauptproblematik ins Herz! Nachhaltig bauen ist nicht teurer, weil die Materialien dazu teuer sind, sondern weil die Architekten, Fachplaner und Unternehmer wie schon erwähnt keine Standard-Lösungen aus der Schublade ziehen können. Nein, sie müssen denken! Und dazu haben – wie schon in den zwei eingangs erwähnten Problemen – nicht alle Lust.

Nachhaltig bauen (genauso wie günstig bauen) ist nicht teuerer, aber es ist schwieriger zu planen.

Der Phase noch VOR dem Vorkonzept (wo Pläne gezeichnet werden, sodass damit eine Baubewilligung gemacht werden kann) wird im gesamten Bauprozess meiner Meinung nach viel zu wenig Zeit (und Wichtigkeit) beibemessen.

Nachhaltig bauen im Bauprozess

Denn HIER können (je früher desto besser – am besten in der Konzeptphase) Innovationen gemacht werden. HIER kann alles über den Haufen geschmissen werden, ohne dass alle Planer ihre Plänen umzeichnen müssen. HIER darfst du kreativ sein und alles hinterfragen. Kurz gesagt: In der Anfangsphase fällt Jedem das Denken am einfachsten.

Lösung: Genug Zeit für die Anfangs-Planung einrechnen!
Wenn wir davon ausgehen, dass du (als Lösungsansätze für Problem 1 und 2) 1. Deinen Wunsch nach echter Nachhaltigkeit früh genug kommuniziert hast und 2. Dir ein entsprechendes Team zusammengestellt hast (oder den Architekten hast zusammenstellen-lassen) gibt es jetzt den dritten Punkt:
–> Du musst für die Anfangsphase mehr Zeit als üblich einrechnen. Dies betrifft die Konzeptphase (allenfalls mit einer Machbarkeitsstudie), und die gesamte Vorprojektphase.

Problem 4: Niemand verdient Geld dabei

Nachhaltig Bauen hat keine Lobby. Das ist ein riesiger, riesiger Nachteil. Die motivierten Planer und Unternehmer (welche du jetzt deinem Team hinzugefügt hast) können womöglich einige Stunden mehr berechnen für den grösseren Planungsaufwand, aber du als Bauherr*in bist auf ihre intrinsische Motivation angewiesen, ein wirklich cooles, nachhaltiges und durchdachtes Projekt für dich zu erstellen. Sie machen das nicht für Geld, sondern weil sie es (genauso wie du) wollen.

Für Planer und Architekt*innen gibt es keinen finanziellen Anreiz, günstiger oder nachhaltiger zu bauen

Architekten (und andere Planer) werden im Normalfall mit einem Anteil an den Gesamtbaukosten bezahlt. Der Anteil liegt irgendwo bei 10% – 15%. Dieser Anteil wird nicht grösser, wenn günstiger oder nachhaltiger gebaut werden soll. Im Gegenteil – die Gesamtbaukosten sinken, und damit auch der Anteil der Planer. Es gibt also keinen finanziellen Anreiz.

Lösung: Frage nach ihren innovativsten Referenzobjekten.
Der einzige Weg, das Problem zu umgehen liegt darin, motivierte Architekten, Planer und Unternehmer zu finden, deren Berufsstolz und Spass am Werk im Vordergrund liegt. Innovative Referenzobjekte sagen viel über die Bereitschaft der Betreffenden aus, quer zu denken und offen zu sein. Das gilt insbesondere auch für Architekten!

Problem 5: Niemand fühlt sich verantwortlich

Hier liegt eines der Kernprobleme begraben. Es ist im Planungsalltag oft unklar, wo die Verantwortung liegt. Im Normalfall äussert die Bauherrschaft ein Bedürfnis (in diesem Fall: „Nachhaltig bauen bitte!“), woraufhin die Architektin oder der Architekt Vorschläge erstellt, auf welche Weisen dies umgesetzt werden könnte. Dabei ist die Architektin jedoch auf dringendes Knowhow der Planer und Unternehmer angewiesen. Diese wiederum kommen aber erst zu einem späteren Zeitpunkt ins Boot, nämlich beim Start der Planungsphase (Bauprojekt), nach Erteilung der Baueingabe.

Die Planer kommen bei einem Standard-Projektablauf zu spät ins Boot

Das ist zu spät, denn das Projekt wird in der Konzept-, Machbarkeits-, und Vorprojektsphase ausgearbeitet! Wird das Projekt erst nach der Unternehmer- und Planervergabe konkret mit deren Knowhow ausgearbeitet, zieht das tiefgreifende Änderungen mit sich, oder sogar eine Neu-Eingabe der Baueingabe. Das willst du echt nicht.

Alles muss noch Anfang an neu gedacht werden – kosmetische Änderungen helfen wenig.

Eine Alternative Strategie liegt darin, dass die Architekten mit ausgewählten Planern und Unternehmern Vorgespräche führen, wo deren Knowhow und Inputs in die Projektplanung einfliessen kann. Zu einem gewissen Grad wird das eigentlich bei jedem Projekt jetzt schon so gemacht. Wir sprechen hier aber von einer radikalen, grundsätzlich anderen Ausgangslage. Denn um einen wirklich nachhaltigen Bau zu erreichen, helfen kosmetische Anpassungen wenig. Alles muss von Anfang an neu gedacht werden. Jedes Gewerk ist dafür verantwortlich, dass erforderliche Knowhow für Nachhaltigkeit in das Projekt einfliesst. Aber wärst du als Unternehmer oder Planer für eine solch umfassende Beratung bereit, ohne garantierte Aussicht auf einen Auftrag? Wahrscheinlich nicht.

Lösung: Direkt- und Teilvergabe von Aufträgen an Planer (und ev. Unternehmer)
Die eleganteste Lösung wäre eine Direktvergabe der Aufträge an diejenigen Planer und Unternehmer, die schon im Vorfeld beim Projekt geholfen haben. Das ist jedoch nur bedingt eine gute Lösung. Denn es sollten immer Konkurrenzofferten vorliegen. Eine Kompromisslösung ist, die Beratungssstunden der betreffenden Firmen separat zu vergüten. So haben diese zumindest einen Anreiz zu helfen, auch wenn allenfalls kein Folgeauftrag entsteht.

Problem 6: Angehende Architekten lernen nicht, nachhaltig zu planen

Der aktuelle Ansatz zur Knowhow-Beschaffung für Nachhaltiges Bauen ist zu dezentral ausgelegt. Jede Bauherrschaft, jedes Architekturbüro, jede Planer*in und jede Unternehmerin muss sich mit dem Thema konfrontieren, Nachforschungen anstellen und Abklärungen machen. So werden gleichzeit hunderte und tausende Male die selben Dinge abgeklärt. Das ist eine Verschwendung von Ressourcen.

Es gibt einige wenige Einzelpersonen und Pioniere, welche sich der Sache annehmen und brauchbare Ressourcen herstellen, die von Allen genutzt werden können. Zum Beispiel Martin Raum mit seiner Forschung zu Stampflehm oder Florian Nagler mit ‚Einfach Bauen‘. Es gibt bestimmt noch mehr, auf welche ich noch nicht gestossen bin.

Knowhow zu Nachhaltigem Bauen wird aktuell dezentral aufgebaut. Die Aufgabe der Hochschulen wäre es, die Themen zusammenzutragen und zentral zu untersuchen

Eine Aufgabe für die zentralisierte Beschaffung von Knowhow wären aus meiner Sicht die Hochschulen. Nur ist da das Interesse (oder war es zumindest zu meiner Zeit vor 10 Jahren…) durchwachsen. Persönlich finde ich das nicht ganz nachvollziehbar. Welcher Beitrag wäre wertvoller und mit einer Armee von hunderten und tausenden motivierten und querdenkenden Student*innen besser ausführbar als das Nachhalige Bauen für die Zukunft zu entwerfen?

Lösung: Zentralisiertes Ausarbeiten der Thematik an Hochschulen für Architektur
Die Hochschulen müssten ein Interesse zeigen, den aktuellen Stand zum Thema zusammenzutragen, Lösungen zu entwerfen und diese als Ressource für alle zur Verfügung zu stellen

Zusätzliche, konkrete Massnahmen

Hier findest du eine nicht hierarchisch aufgebaute Liste an konkreten baulichen (anstatt technisch) Massnahmen für einen nachhaltigeren Bau:
Quellen: Whitepaper des ewz für die Stadt Zürich;

  • Möglichst viel Grün um, am und auf dem Gebäude.
    Da eine begrünte Fassade in den meisten Fällen schwierig umsetzbar ist, und ich (persönlich – you do you!) Schrägdächer gegenüber Flachdächer bevorzuge – bleibt das Grün um das Gebäude. Ein Baum, bzw. mehrere grosse Bäume im Garten kühlen die Fassade, und generieren Luftzirkulation
  • Fassade beschatten
    Auskragende Dächer und Vordächer helfen, den Aufheizungsprozess der Fassade zu verlangsamen. Bäume vor der Fassade helfen auch – im Winter wenn diese kahl sind, möchtest du ja wieder mehr Sonne haben. Win-win!
  • Fenster beschatten
    Aussenliegender Sonnenschutz findest du heute bei quasi allen Bauten. Nur: Ich werde meine Rolläden erst bei über 30 Grad Aussentemperatur schliessen – denn ich will nicht in einer Höhle wohnen. Wenn es dir ähnlich geht, empfehle ich Stoff-Markisten (z.B. Ausstellmarkisen oder Fallarmmarkisen). Diese kreieren eine wunderschöne Ferienstimmung im Innenraum – müssen aber zur Verdunklung mit Nachtvorhängen kombiniert werden.
  • Fenster möglichst innenliegend
    Auch wenn ich Fensterbretter etwas wunderschönes finde, macht es Sinn, die Fenster möglichst innen zu positionieren – solange das mit dem Wandaufbau und dem Dämmperimeter funktioniert. Die Laibung fungiert als Mini-Vordach und schützt das Fenster zusätzlich vor der Witterung. Ein kleiner Kompromiss wäre ein Mini-Fensterbrett von ca. 10cm, und dann das Fenster zu montieren.
  • Böden und Decken als Massespeicher
    Schwere Masse (z.B. Betondecken oder Holzdecken mit Schüttungen) erwärmen sich weniger schnell – und speichern die Wärme dafür im Winter länger. Zusätzlich wird der Schallschutz zwischen den Geschossen verbessert.
  • Fensterformate: hoch und schmal, maximal 15% der Raumfläche
    Im Whitepaper des ewz für die Stadt Zürich wird für Wohnbauten ein maximaler Fensteranteil von 30% – das ist viel zu viel! Gemäss einer umfangreichen Simulation von über 2’000 Räumen und Fensterformaten hat Florian Nagler mit seinem Team herausgefunden, dass die ideale Fenstergrösse nur 15% der Bodenfläche des Raums dahinter beträgt. Das Fenster hat die besten Voraussetzungen im Sommer nicht zu überhitzen, und im Winter genügend Sonneneinstrahlung zu gewährleisten, wenn es hoch und schmal ist! Mehr zur konkreten Fenstergrösse in diesem Artikel zu ‚Einfacher bauen‘.

Fazit: Der Widerstand kann gebrochen werden

Die Probleme greifen tief und sind teilweise in unseren standardisierten Bauprozess eingebacken. z.B. das es keine finanziellen Anreize für Planer, Architekten und Unternehmer gibt, günstig oder nachhaltig zu bauen. Oder dass die wertvollen Inputs und das Knowhow der Planer (Statik, Bauphysik, Sanitär- und Elektroplanung) erst zu spät im Bauprozess greift.

Aktuell treffen Bauherrschaften mit dem Wunsch nach echtem nachhaltigem Bauen auf grossen Wiederstand, Unwissen und Schulterzucken, dass man das schon immer so gemacht habe. Dem kannst du entgegenwirken, indem du zu Beginn sagst, dass Nachhaltiges Bauen eine absolute Priorität hat für dich und dein Projekt, indem du deine Planungsteam sehr sorgfältig aussuchst, genügend Zeit für den ersten Teil der Planung einberechnest, und dir überlegst, welche Leute du schon im Vorfeld direkt in das Projekt (z.B. über ein Beratungshonorar) mit einbinden kannst.

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